Die Methoden für seine Rückkehr ins Parlament passen zu Peter Pilzens Lebensweg

Peter Pilz liebt es, seine Ziele ohne Rücksicht auf andere umzusetzen. Foto: Peter Pilz / wikipedia.org (CC-by-sa)
Peter Pilz liebt es, seine Ziele ohne Rücksicht auf andere umzusetzen.
Foto: Peter Pilz / wikipedia.org (CC-by-sa)
10. Juni 2018 - 13:30

Nun ist er tatsächlich wieder da, und man kann sich die Metapher eines Schwammerls, das, kaum dass es umgetreten wurde, gleich wieder aus dem Boden schießt, nur schwerlich verkneifen. Wenn es nicht so ablehnenswürdig wäre, müsste man Peter Pilz ja beinahe schon Respekt zollen für das Ausmaß an Selbstherrlichkeit und brutaler Rücksichtslosigkeit, mit dem er seinen Weg verfolgt.

Macho Pilz und sein Verhältnis zu den Parteifrauen

Gerade erst mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert, macht Pilz mit Maria Stern ausgerechnet die ehemalige Sprecherin des Frauenvolksbegehrens 2.0 (!) von einer Abgeordneten zur Parteichefin, während Marth Bißmann, die sich geweigert hatte, auf ihr Mandat zu verzichten, ein Parteiausschluss droht, damit Obermacho und Listengründer Pilz nun selbst doch noch in den Nationalrat einziehen darf – und das alles in einem pseudofeministisch-grün angehauchten Umfeld (nur Grüne können auf die Idee kommen, dass Vollverschleierung etwas mit Emanzipation zu tun hat).

Vor allem den schmuddeligen Stil betreffend ist das Schema jedoch alles andere als neu.

Plagiatsvorwürfe gegen Pilz

2011 hatte Pilz für 5.000 Euro aus der (damals grünen) Parteikasse den Medienwissenschaftler Stefan Weber angeheuert, um ÖVP-Politiker Johannes Hahn des Plagiats zu überführen. Der Schuss ging jedoch nach hinten los, denn sobald die Medien sich auf Hahn gestürzt hatten, erhob Weber Plagiatsvorwürfe gegenüber Pilz‘ eigener Dissertation aus dem Jahre 1983, woraufhin es zum Bruch kam und Pilz Weber als „Kasperl“ und seine Arbeitsweise als „unseriös“ bezeichnete.

Unzensuriert berichtete damals als erstes Medium über die Eigenartigkeiten der Pilzschen Dissertation mit dem Titel „Ökonomische Bedeutung der Einführung neuer Medien in Österreich“, und die FPÖ überlegte sogar, Pilz wegen Plagiatsverdachts anzuzeigen.

„Großzügige“ Quellenangaben

Abgesehen von inhaltlichen Schwächen wie falsche Prognosen oder antikapitalistische Stehsätze zeichnet sich das Werk durch teilweise sehr „großzügige“ Quellenangaben aus, was die Frage nach der wissenschaftlichen Grundlage für die dargebotenen Erkenntnisse aufwarf.

In seiner Einleitung (alle folgenden Zitate sind der Original-Dissertation entnommen) gab Pilz an, die Dissertation „fuße“ auf der 1982 gemeinsam mit Hannes Werthner im Auftrag des Wissenschaftsministeriums verfassten Studie „Ökonomische Bedeutung der neuen Medien in Österreich“. Bei dieser Studie sei Werthner „mit der technischen Abwicklung der Fragebogenaktion, deren EDV-gestützter Auswertung (die Formalisierung des Modells und das Rechnen) und der Zeichnung der Tabellen befasst“ gewesen, und „alle anderen Teile und Arbeitsschritte“ stammten somit von Pilz.

Identische Tippfehler

Damit war den Minimalanforderungen wohl genüge getan: Die Grundlage war erwähnt und die Abgrenzung vom Co-Autor auch irgendwie erfolgt. Allzuviel Mühe dürfte Pilz sich beim Umarbeiten der „Grundlage“ angesichts identischer Tippfehler jedoch nicht gemacht haben.

Mag dies auch wissenschaftlich (und moralisch?) fragwürdig gewesen sein, so war es doch im Einklang mit dem Recht, das nirgendwo vorschrieb, dass der Inhalt einer Dissertation eine Erstveröffentlichung sein müsse, und für Pilz war die Sache damals erledigt. Bezeichnender sind seit 2011 sogenannte „Selbstplagiate“ – also hier das zeitsparende Wiederverwerten früherer wissenschaftlicher Arbeiten zur Erreichung eines höheren akademischen Grades – verboten.

Dissertation approbiert von Alexander van der Bellen

1993 war die Dissertation vom ordentlichen Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien, Alexander van der Bellen, approbiert worden. Dass Hannes Werthner 2017 auf der Liste Pilz kandidierte und Van der Bellen von seinem Doktoranden Pilz von der SPÖ zu den Grünen gelotst worden war, ist reiner Zufall und hat ganz sicher nichts mit deren wissenschaftlicher Qualität zu tun.

Liste Pilz bei nur noch einem Prozent

Nun wird Pilz also wieder als Abgeordneter angelobt. Nachdem der Erfolg der Liste Pilz ja ursprünglich auch – Stichworte Selbstherrlichkeit und brutale Rücksichtslosigkeit – durch einen reinen Persönlichkeitswahlkampf auch gegen die ehemalige eigene Partei erreicht wurde, kann man nur hoffen, dass die Selbstdemontage weitergeht. In aktuellen Umfragen steht die Liste Pilz bei gerade mal einem Prozent – der „Aufdecker“-Schmäh zieht nicht mehr.

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