Heumarkt und Genossenschaften: Michael Tojners Mails enthüllen brisante Informationen

Aufgetauchte Emails von Immobilieninvestor Michael Tojner zeigen dichte Verflechtungen zwischen SPÖ und Immobilienhaien. Foto: WBV-GÖD
Aufgetauchte Emails von Immobilieninvestor Michael Tojner zeigen dichte Verflechtungen zwischen SPÖ und Immobilienhaien.
Foto: WBV-GÖD
19. März 2018 - 9:35

Der Immobilienmagnat Michael Tojner sorgt erneut für Aufsehen. Das umstrittene Heumarkt-Projekt bewegt die Gemüter in Wien ebenso, wie die Übernahme einer Wohnbaugenossenschaft: Erneut gelangten interne Unterlagen zur Causa WBV-GÖD an die Öffentlichkeit. Die Wiener FPÖ ortet ein „Bermudadreieck für Sozialwohnungen“.

Während die Wohnkosten in der Bundeshauptstadt immer weiter ansteigen, ereignet sich im sozialen Wohnbau eine tragische Posse und SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und seine Aufsichtsbehörde stehen massiv in der Kritik.

2.000 Euro pro Wohnung

Michael Tojners Umfeld erwarb die gemeinnützige „Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst“. Der Kaufpreis für das Unternehmen lag umgerechnet bei 2.000 Euro pro Wohnung. Doch der in der Schweiz lebende Unternehmer Christian Hosp – Tojners Vertrauensmann und nunmehriger Eigentümer der Genossenschaft – ist Angehöriger des Baugewerbes. Laut Gesetz haben gemeinnützige Bauvereinigungen aber von dieser Personengruppe unabhängig zu sein. Michael Ludwigs Aufsichtsbehörde leitete in der Folge ein Verfahren auf Entzug der Gemeinnützigkeit ein. Dann könnte Wien eine zweite BUWOG bevorstehen. Alfred Wansch vom „Österreichischen Mieterschutzring – Wien“ warnte vor den Folgen, während die SPÖ-nahe „Mietervereinigung“ zu beruhigen versuchte.

Michael Ludwig unter Druck

Wirtschaftsministerium und der genossenschaftliche Revisionsverband kritisierten dieses Vorgehen ebenfalls und verweisen auf die Möglichkeit der Rückabwicklung der umstrittenen Anteilstransaktionen: Es sind nämlich zwingende gesetzliche Voraussetzungen ausständig. Doch warum beharrt Ludwig auf dem potenziellen Entzug der Gemeinnützigkeit – mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die Bewohner der 3.000 Sozialwohnungen?  

Dichtes Netzwerk

Aktuell gelangten interne Unterlagen zur Causa an die Öffentlichkeit. Demnach hätte im Mai 2017 ein hochrangiger Mitarbeiter aus Tojners „Wertinvest“ Geschäftsführer der WBV-GÖD werden sollen. Dessen Einsetzung scheiterte lediglich, weil ein Vertreter des Unternehmens sich weigerte, seine Unterschrift zu leisten, wie der Kurier berichtet. Christian Hosp gab bekannt, dass Tojner lediglich eine beratende Funktion habe. Zitierter Mailverkehr liest sich allerdings anders: So entschuldigt sich der umstrittene Investor bei GÖD-Geschäftsführer Michael Baumgartner und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Gregorich dafür, „dass ich mich als Gesamtverantwortlicher unserer Gruppe in den letzten 2 Monaten zu wenig um die Transaktion „GÖD“ gekümmert habe.“

Mit von der Partie ist auch der Rechtsanwalt Franz Guggenberger, der das Wiener Büro der Anwaltskanzlei „Hasch & Partner“ leitet. Gleichzeitig fungiert er als Aufsichtsrat der WBV-GÖD. Die Presse enthüllte, „dass viele Verträge rund um Konstruktionen bei der GÖD, Buntes Wohnen aus der Anwaltskanzlei Hasch und Partner kommen.“

Bis zur SPÖ-Spitze

Guggenberger ist kein Neuling in der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft: Er war Aufsichtsratsvorsitzender von „Buntes Wohnen“ – das später in „Pannonia“ umgetauft wurde – und „Riedenhof“. In ersterem Unternehmen hatte auch der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Peter Wittmann einen Sitz im Aufsichtsrat inne. Beide sind heute nicht mehr gemeinnützig: Aus der gewerblichen Tochter von „Buntes Wohnen“ erhielt Tojner sein Heumarkt-Areal. Die Reste der „Riedenhof“ wurden mit seiner „Wertinvest“ verschmolzen. Aktuell hält Guggenberger einen Anteil an der Mutter der WBV-GÖD. Zudem ist er Mitglied im Beirat von Tojners Holding „Montana Tech Components AG“.

Der streitbare Immobilien-Zar kann sich trotz öffentlichkeitswirksamer Geschäftsfälle an sein Engagement im Bereich „Buntes Wohnen“ auf Nachfrage gegenüber Medien kaum erinnern: „Das ist neun Jahre her. Ich müsste in den Akten nachsehen.“

Und Christian Hosp? Er erlangte größere Bekanntheit im Zuge der Auseinandersetzungen rund um die WBV-GÖD. Wie der Kurier recherchierte, ist auch er eng mit Tojner verdrahtet: Er fungiert als Verwaltungsrat der „Alu Menziken Extrusion AG“ und von deren Mutter, der ebenfalls bereits genannten „Montana Tech Components AG“.

FPÖ ortet Bermudadreieck

Der freiheitliche Klubobmann im Wiener Rathaus, Toni Mahdalik, fordert die Rückabwicklung der umstrittenen Anteilstransaktionen an der WBV-GÖD in Tojners Umfeld: „Die Wiener SPÖ, Michael Tojner und Franz Guggenberger scheinen ein Bermudadreieck für Sozialwohnungen zu bilden. Wir werden die Vorgänge im Rathaus genau ausleuchten.“ Das bisherige Verhalten des Wohnbaustadtrates in der Angelegenheit kann er nicht nachvollziehen: „Wenn er den Verkauf nicht rückgängig macht und der WBV-GÖD den Gemeinnützigkeitsstatus entzieht, muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, mit Steuergeld geförderte Sozialwohnungen an gewinnmaximierende Immobilienentwickler zu verramschen. Zudem schrillen wahrscheinlich nicht nur bei mir die Alarmglocken, wenn so wie beim Heumarkt-Projekt der Name Tojner auftaucht.“


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