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Was bleibt von der Konferenz „Der Euro vor dem Zusammenbruch“?

28. September 2010 - 9:20

Im einst blühenden Industriezentrum Berlin-Schöneweide fand am 25. September 2010 die Konferenz „Der Euro vor dem Zusammenbruch – Wege aus der Gefahr“ statt. Helmut Kohls Vision von „blühenden Städten“ hat sich in diesem Viertel der deutschen Hauptstadt nicht erfüllt. Der Tagungsort war von einer beeindruckenden Kulisse umgeben – den verfallenden Überresten des Stadtviertels „Elektropolis“. So wurde jener Teil der deutschen Bundeshauptstadt genannt, als diese noch das weltweite Zentrum der Elektro-Industrie war.

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Bilder von der Euro-Konferenz in Berlin

Die 700 Teilnehmer ließen sich vom trüben Wetter nicht beeindrucken, und die Vortragenden verstanden es, trotz der Dauer der Veranstaltung das Interesse der Zuhörerschaft bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Der wohl bekannteste Vortragende war der Europaabgeordnete der United Kingdom Independence Party, Nigel Farage. Selbst ein glühender Europäer, tritt er dennoch – oder vielmehr gerade deshalb - überzeugt gegen die Gemeinschaftswährung, den Regulierungswahn Brüssels und den immer weitere Kreise ziehenden Zentralismus der Europäischen Union auf. Seine Rede erweckte großes Interesse und gab vor allem Deutschen einiges zu denken auf. Er mahnte, nach Jahren des nationalen Selbsthasses und der freiwilligen Erniedrigung wieder zurück zu einem gesunden Nationalgefühl zu finden.

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Für das leibliche Wohl der zahlreichen Euro-Kritiker aus unterschiedlichen politischen Lagern und allen sozialen Schichten wurde durch die Veranstalter gesorgt. Bezahlt wurde allerdings nicht in Euro, sondern mit der eigens kreierten Konferenzwährung „Volksmark“. Dadurch sollte die Forderung nach einer Rückkehr zu nationalen Währungen unterstrichen und im Kleinen bereits vorgelebt werden. Möglich wäre diese Rückkehr bzw. wenigstens eine Reform des Euro definitiv, wie die zahlreichen fachkundigen Referenten erläuterten.

Der Rundfunksender Russia Today war während der Veranstaltung anwesend und berichtete darüber. Deutsche oder mitteleuropäische Medien hüllten sich dagegen bezeichnenderweise in tiefes Schweigen.

Abschlusserklärung fordert Initiativen gegen den "Euro-Wahn"

Doch es wurde nicht nur vorgetragen und diskutiert. Um der Versammlung und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen und Gewicht zu verleihen, einigte man sich auf eine Abschlusserklärung. Diese wurde von den Anwesenden unterzeichnet. Der Beschluss lautet:

Volkswiderstand gegen das Euro-System: Die ‚Rettungspakete‘ für den Euro nützen nur den Spekulanten und Bankern. Wir lehnen alle Sparmaßnahmen ab, mit denen Steuerzahler und kleine Leute zur Finanzierung dieser Politik zur Kasse gebeten werden! Den gewaltlosen Widerstand gegen die Folgen des Euro-Systems in Ländern wie etwa Griechenland sehen wir als vorbildlich an. Auch bei uns muss etwas passieren!

  • Wir regen an, in den Städten und Gemeinden öffentliche Komitees (Stammtische, Bürgerinitiativen, Volksinitiativen) zu bilden, die die Argumente gegen den Euro-Wahn verbreiten.
  • Wir begrüßen juristische und verfassungsrechtliche Vorstöße zur Verhinderung der Euro-‚Rettungspakete‘.
  • Wir rufen zu Protestkundgebungen und Streiks gegen unsoziale Politik auf.

Zudem soll im Frühjahr oder Frühsommer 2011 ein „Volkskongress gegen Finanzdiktatur“ stattfinden.

Der Tag endete nach der Unterzeichnung am späten Abend bei einem oder mehreren Bieren und immer noch gefüllter Halle, mit einem Konzert der Band „Bandbreite“.

Die Veranstaltung kann trotz eigenartigem – manche meinten, für den Euro sehr pasendem – Ambiente als gelungen bezeichnet werden, weil die Alternativen zum bestehenden System deutlich aufgezeigt wurden. Wie sagte doch der ehemalige DDR-Staatssekretär Klaus Blessing: Der Sozialismus ging an mangelnder Anpassungsfähigkeit und den von Dialektik geprägten Scheuklappen seines Führungskaders zugrunde. Dem Liberalismus/Kapitalismus droht ein ähnliches Schicksal. Insofern ist es wünschenswert, dass die Volksinitiative an Breite gewinnt, wobei hier auch mediale Breite vonnöten wäre. Vielleicht spricht es sich ja bis zur nächsten Veranstaltung herum, dass es sich nicht um eine Stammtischrunde kruder Verschwörungstheoretiker handelt, sondern um einen Kreis anerkannter Experten, die – im Gegensatz zu den staatlichen Stellen – in der Lage sind, auch über den Tellerrand zu blicken.

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