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Die Zerstörung der Wälder – eine ökologische Katastrophe

5. September 2010 - 10:39

Jeden Sommer bietet sich dem Beobachter das gleiche Szenario: Waldbrände rund um den Globus vernichten riesige Waldflächen. Die Ursachen reichen von Achtlosigkeiten wie weggeworfenen Zigaretten bis zu gezielter Brandstiftung. Doch eines haben fast alle Brände gemeinsam: Zu 95 Prozent werden sie vom Menschen verursacht. Auch durch Rodungen und Umweltverschmutzung schrumpfen die Waldbestände weltweit jährlich um ungefähr 14 Millionen Hektar, was nicht ganz der Fläche der Steiermark entspricht. Kontrollierte Eingriffe in das System Wald sind wichtig und notwendig, aber vor allem in Entwicklungsländern kommt es zu unkontrollierter Waldzerstörung mit verheerenden ökologischen und ökonomischen Folgen.

Brandrodungen, illegaler Holzeinschlag und Spekulanten

Die wichtigsten Ursachen für die unkontrollierte Zerstörung von Wäldern sind Brandrodungen, illegaler Holzeinschlag und gelegte Brände.

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Brandrodung dient in erster Linie der Gewinnung neuer Wirtschaftsflächen für Viehwirtschaft sowie Ackerbau und ist eines der ältesten Verfahren zur Gewinnung von Nutzflächen. Die durch Brandrodung gewonnenen Flächen, gerade in tropischen Zonen, sind kurzzeitig sehr ergiebig, die nährstoff- und mineralreichen Böden sind aber schnell ausgelaugt. Darauf folgt oft massive Erosion, die zu Versteppungen und Verwüstungen führt. Besonders katastrophal sind die Auswirkungen von Viehwirtschaft, da der fruchtbare Boden dann zerstampft und schließlich einfach weggeweht wird.

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Vor und nach der Rodung

Um einerseits Brenn- und Bauholz, andererseits seltene tropische Hölzer zu gewinnen, kommt es zu illegalem, nicht nachhaltigem Holzeinschlag. Vor allem starkes Bevölkerungswachstum und große Armut machen den illegalen Holzschlag in Entwicklungshilfeländern zu einem großen Problem. Außerdem fehlen in diesen Ländern oft der Wille oder die Möglichkeiten, effektiv dagegen vorzugehen; grassierende Korruption verschlimmert die Situation weiter. Ähnlich den „Blutdiamanten“ gibt es auch „Konflikthölzer“, die aus Bürgerkriegsländern geschmuggelt werden, um die Konfliktparteien zu finanzieren. Der illegale Holzeinschlag kann ungeahnten Schaden anrichten: Das United Nations Environment Programm schätzt, dass in den nächsten 15 bis 20 Jahren mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Waldbestände Indonesiens vernichtet sein werden.

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Die Waldbrände in Griechenland 2007 waren Folge von Brandstiftung.

Im Gegensatz zur Brandrodung und zum illegalen Holzeinschlag ist gezielte Brandstiftung auch in Europa ein großes Problem. Die alljährlichen Waldbrände in großen Teilen Südeuropas sind größtenteils darauf zurückzuführen. In vielen Fällen sind es Spekulanten, die so die Umwidmung in Bauland mit entsprechender Wertsteigerung erreichen wollen; in Süditalien soll die Mafia ihre Finger im Spiel haben. Daneben gibt es auch andere Motive: Bauern wollen Land für agrarische Zwecke nutzen oder Bäume stehen Bauvorhaben im Weg. Relativ neu ist ein bizarr anmutendes Motiv: Wälder werden abgefackelt, um danach an der - oftmals von der EU finanzierten – Wiederaufforstung zu verdienen.

BildVom Menschen verursachte Luft- und Wasserverschmutzung setzen den Wäldern ebenfalls stark zu. Bezeichnend dafür ist das - mittlerweile großteils wieder aufgeforstete - Elbsandsteingebirge (Bild rechts) an der sächsisch-böhmischen Grenze. Massive Luftverschmutzung durch die intensive Nutzung von Braunkohle in der DDR und CSSR haben den Baumbestand stark beschädigt, sodass 1990 in manchen Gebieten nur noch schwefelgelbe Stümpfe statt Bäumen zu sehen waren.

Große ökologische Schäden

Die Umweltschäden, die aus der Waldvernichtung folgen, sind zahlreich und kaum abschätzbar. Neben den ebenfalls bedrohten Ozeanen sind die Wälder die größten Sauerstoffproduzenten und gleichzeitig bedeutende Kohlenstoffsenken. Das bedeutet, Wälder speichern CO2 und tragen so zur Stabilisierung unseres Klimas bei.

Daneben säubern Wälder sowohl Luft als auch Wasser, indem sie Schadstoffe wie diverse Schwebeteilchen, Gifte und auch Radioaktivität speichern und damit dem natürlichen Kreislauf entziehen. Auf Waldböden fließt Wasser wesentlich langsamer ab, sodass Wälder zu wichtigen Wasserspeichern werden. Bäume dienen dem Bodenschutz, indem sie Erosion und Auswaschung der Böden verhindern. Dazu bieten sie Schutz vor Überschwemmungen und Steinschlägen sowie Lawinen.

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Aulandschaft in Kärnten: ein funktionierendes Ökosystem.

Insbesondere Urwälder sind komplexe Ökosysteme mit einer zahlreichen Flora und Fauna. Intakte Wälder garantieren so eine große Artenvielfalt. Die Schäden der Waldzerstörungen für unser Klima und den Wasserhaushalt sind auf Grund der zahlreichen Faktoren schwer zu erfassen. Als Folge der Entwaldung kommt es zu artenarmen Kahlflächen, die anfällig für Verwüstungen und Überschwemmungen sind.

Wirtschaftliche Einbußen in Milliardenhöhe

Holz ist einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe der Menschheit, der vor allem als Baumaterial und Energieträger von großer Bedeutung ist. Durch den Einsatz von Bäumen in der Agroforstwirtschaft können große Ertragssteigerungen unter Vermeidung der Nachteile von Monokulturen erzielt werden. Daneben dienen andere Waldprodukte als Nahrungsmittel, zur Herstellung von Heilmitteln und vielem mehr. Wälder besitzen großen Wert als Erholungs- und Freizeitgebiete, auch wenn dies meist eine kostenlose Leistung ist und schwer dargestellt werden kann.

Müsste der Mensch die „Dienstleistungen“ der Wälder selbst erbringen, so wären die Kosten um ein Vielfaches höher als der Erhalt der bisherigen Waldflächen und der Verzicht auf kurzfristige wirtschaftliche Vorteile durch Abholzungen. Der indische Ökonom Pavan Sukhdev schätzt den Verlust für die Weltwirtschaft durch Zerstörung der Wälder auf 2 bis 5 Billionen Dollar jährlich - bei weitem teurer als die Finanzkrise. Die Ausgaben zur Erhaltung von Naturschutzgebieten im selben Wert würden dagegen nur etwa 45 Milliarden Dollar kosten. Viele Aufgaben der Wälder entziehen sich zudem einer derartigen Betrachtung, da sie vom Menschen bei fortschreitender Zerstörung nicht ersetzt werden könnten.

Fotos: Dr. Pramod Patil (2) / Lotus R / Zp / Johann Jaritz

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