FPÖ-Anfrage: Freimaurer als kriminelle Vereinigung?

1. April 2012 - 2:08

BildDer Geheimbund der Freimaurer beschäftigt den parlamentarischen Korruptions-Untersuchungsausschuss seit dessen Beginn. Besonders die Abgeordneten der ÖVP fragen die Auskunftspersonen immer wieder nach ihren Verbindungen zu den Logenbrüdern, ob sie selbst Mitglied sind bzw. wen aus dem Freimaurerwesen sie kennen. Die Schlüsselfigur vieler Korruptionsskandale, der Lobbyist Peter Hochegger, hat eine Mitgliedschaft in der „Loge Zukunft“ bereits zugegeben, allerdings behauptet, er sei „beurlaubt“ und habe niemals seine Logenkontakte für Geschäfte genutzt.

 

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ÖVP und FPÖ haben die Freimaurer ins Visier genommen.
Foto: tbee / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Als erstes Medium sprang das Wirtschaftsmagazin Format auf die Neugier der ÖVP-Abgeordneten auf. Wohl nicht ganz zufällig war einer der Autoren des Artikels „Großmeister der Skandale“, Florian Horcicka, bis vor kurzem noch als Kommunikationschef beim schwarzen Wirtschaftsbund tätig. In einer der österreichischen Medienlandschaft bisher fremden Detailgenauigkeit wurde nicht nur das Wesen der Freimaurerei beschrieben, sondern auch ein tiefer Einblick in die streng geheimen Mitgliederlisten der Logen gewährt.

FPÖ befragt Innen- und Justizministerin

Nun haben auch die Freiheitlichen Gefallen an der Freimaurer-Enttarnung gefunden. Der niederösterreichische Nationalratsabgeordnete Bernhard Vock hat den Format-Artikel als Anlass für parlamentarische Anfragen an die Innenministerin und an die Justizministerin genommen. Vock will wissen, ob auf Basis der im Format geschilderten Sachverhalte Ermittlungs- oder Strafverfahren anhängig sind und wenn ja, gegen wen. Format hatte unter anderem berichtet, 

dass einige Meister am Radar der Korruptionsermittler aufscheinen. Denn bei Hochegger-Razzien im Herbst 2009 wurden Festplatten, Server und USB-Sticks beschlagnahmt, die Einblick in Hocheggers Logenarbeit geben. In unzähligen Word- und Excel-Dateien werden prominente Persönlichkeiten aus Medien, Wirtschaft und Politik aufgelistet, die Hochegger brüderlich verbunden sind. Elektronische Aufzeichnungen geben Aufschluss über Teilnehmer sogenannter "gedeckter“ Treffen im Steffl oder im Haas-Haus. "Deckung“ bedeutet im Maurerlatein die Gewissheit, dass nur Freimaurer anwesend sind - andernfalls "regnet“ es.

Vock geht in seiner Anfrage noch weiter und will auch wissen, ob gegen genannte Organisationen – sprich einzelne Logen oder die Freimaurerei insgesamt – Ermittlungen wegen der Strafgesetzbuch-Paragraphen 278 und 278a laufen. In diesen geht es um die Bildung von kriminell vereinigungen bzw. Organisationen. Und Vock stellt eine weitere heikle Frage, nämlich: „Wie stellen Sie sicher, dass Ermittlungs- und Strafverfahren, die gegen Mitglieder der vom „Format“ genannten Organisationen geführt werden, nicht von deren Mitgliedern in Polizei und Justiz unterdrückt werden?“ Gerade die Justiz gilt als überdurchschnittlich in Logen organisiert.

"Taskforce Steinmetz" sucht nach Verbindungen

Die Anfragen des FPÖ-Abgeordneten, die innerhalb von zwei Monaten zu beantworten sind, freuen wiederum das Format, das sie als „Aufreger der Woche“ im aktuellen Heft aufgreift und auch von einer „Taskforce Steinmetz“ berichtet, die angeblich innerhalb des ÖVP-Parlamentsklubs gegründet worden sein soll. Zweck: Logengeflechte und insbesondere Verbindungen zur SPÖ und anderen Parteien dokumentieren und analysieren.

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