Großbritannien: Spaltung im Staatskirchenwesen wegen politischer Uneinigkeit

Auch das Staatskirchenwesen in Großbritannien wird von den politischen Themen bestimmt. Foto: FiatLUX / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Auch das Staatskirchenwesen in Großbritannien wird von den politischen Themen bestimmt.
Foto: FiatLUX / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
11. Juni 2018 - 8:32

Auf ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung beschloss die Presbyterianische Kirche für ganz Irland den Abbruch ihrer Beziehungen zur Presbyterianischen Kirche Schottlands, der dortigen offiziellen Landeskirche. Ein hoher Kirchenvertreter sprach vom „theologischen Brexit“ und BBC bezeichnete den Beschluss als „historisch“. Hauptgrund für die Kirchenspaltung ist die unterschiedliche, ja inzwischen entgegengesetzte Beurteilung der protestantischen „Brüder“ presbyterianischer Überlieferung bezüglich homosexueller Beziehungen, wobei die traditionell militant pro-britischen Presbyterianer auf der Irischen Insel den „konservativen“ Standpunkt vertreten.

Immer weniger pro-britische Protestanten in Nordirland

Es bedarf keiner großen Fachkenntnisse, um den Zusammenhang zwischen Kirchenwesen, Politik und Militärwesen im Nordirlandkonflikt ernst zu nehmen. Jetzt auch noch der erwähnte regelrechte Kampfbeschluss. Für Anhänger britischer Herrschaft verschärft sich die Lage ohnehin fortwährend durch die demographische Entwicklung gerade in Nordirland: Der Katholikenanteil steigt, der Anteil zumeist stramm pro-britischer Protestanten einschließlich Anglikaner nimmt ab. Bei den jüngeren Jahrgängen hat man die Protestanten samt Anglikaner schon katholischerseits hinter sich gelassen. Bereits 2021 könnten die mit ihrem Löwenanteil irisch-nationalistisch gesinnter Katholiken die Mehrheit stellen.

Prinz Charles - künftiges Kirchenoberhaupt

Jetzt wurde auch noch ein Vorstoß bekannt, Prinz Charles zwecks Einvernahme vorzuladen wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zu dem als mehrfachen sexuellen Missbrauchstäter verurteilten anglikanischen Alt-Bischofs Peter Ball. Prinz Charles, immerhin der designierte Nachfolger Königin Elisabeths II. als Staatsoberhaupt wie Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche, hatte den einstigen Spitzentheologen selbiger Staatskirche als „loyalen Freund“ bezeichnet. Längst erwiesen ist, dass der frühere staatskirchliche Erzbischof von Canterbury, George Carey, den berüchtigten Missbrauchs-Bischof Ball aktiv unterstützte. Besagter Ex-Erzbischof von Canterbury Carey räumte bereits vor ein paar Jahren ein, in rund 25 Jahren könne es mit der offiziellen anglikanischen Kirche vorbei sein.

Royale Hochzeit kann Probleme nicht zudecken

Es ist also wirklich nicht alles Gold, was glänzt, im Vereinigten Königreich, auch nicht im dortigen Staatskirchenwesen. Eine glanzvolle „royale“ Hochzeit kann den wachen Beobachter darüber nicht hinwegtäuschen. Es spricht alles dafür, dass die Schwierigkeiten für die Anhänger britischer Herrschaft an den verschiedenen Plätzen noch wachsen werden.

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