Knalleffekt in der "Siedlungsunion": Rotes Urgestein tritt ab, bleibt aber Gemeinderätin

Die schiefe Optik wegen des 100.000-Euro-Auftrags an ihre Tochter hat nichts mit ihrem Abgang zu tun, sagt Ex-Siedlungsunion-Obfrau Ingrid Schubert. Foto: SPÖ Wien
Die schiefe Optik wegen des 100.000-Euro-Auftrags an ihre Tochter hat nichts mit ihrem Abgang zu tun, sagt Ex-Siedlungsunion-Obfrau Ingrid Schubert.
Foto: SPÖ Wien
1. Juni 2018 - 20:02

Die rote Wohnbaugenossenschaft "Siedlungsunion" sorgte in der Vergangenheit regelmäßig für Aufregung, insbesondere die Person ihrer langjährigen Vorstandsobfrau – die Wiener SPÖ-Gemeinderätin Ingrid Schubert. Monatliche Luxus-Gagen und indirekte Geldflüsse an das enge familiäre Umfeld boten Stoff für aufgeladene politische wie mediale Diskussionen. Jetzt kam es zum Knalleffekt: Schubert ist abgetreten.

Gemeinnützigkeit mit Luxus-Gagen

Die "Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Siedlungsunion registrierte Genossenschaft m.b.H." zählt zu den Donaustädter Lokalmatadoren im Wohnbau. Mehr als 5.600 verwaltete Wohnungen verleihen der Genossenschaft einiges Gewicht. Ob unter der langjährigen Vorstandsobfrau des Unternehmens, der SPÖ-Gemeinderätin Ingrid Schubert, echte Gemeinnützigkeit gelebt wurde, ist freilich fraglich. Die Bezüge Schuberts waren rechtskonform, aber wenig appetitlich: Als Bereichsleiterin der Genossenschaft erhielt sie ein Gehalt von stolzen 9.649,70 Euro. Hinzukam eine bescheidene Aufwandsentschädigung als Vorstandsobfrau im Ausmaß von monatlich 5.078 Euro.

21.239 Euro Bruttogehalt für Multifunktionärin Schubert

Durch ihr Gemeinderatsmandat lukrierte sie weitere 6.601,60 Euro pro Monat. In Anbetracht ihres damaligen Gesamtbezuges von insgesamt 21.329 Euro brutto kann der arbeitende Wiener nur so staunen. Dabei sollte man meinen, dass in Zeiten der Wiener Wohnungskrise der Job als Vorstandsobfrau bereits tagesfüllend wäre.

Schlechte Optik durch Auftragsvergabe an "Tochterfirma"

Über eine indirekte Auftragsvergabe an das Unternehmen "2move" ihrer Tochter Karin Schubert dürfte die rote Rathausmandatarin jetzt gestolpert sein: In der Dittelgasse in Wien-Donaustadt errichtet die "Siedlungsunion'" gemeinsam mit zwei Partnern rund 400 Wohnungen. Anhaltende Anrainerproteste mündeten schließlich in eine Bürgerinitiative gegen das überdimensionierte Projekt. Über einen Umweg wurde schließlich "2move" mit einem kostspieligen Mediationsprozess für knapp 100.000 Euro beauftragt, wie der FPÖ-Landtagsabgeordnete und Vorstandsvorsitzende des ‚Österreichischen Mieterschutzringes-Wien‘, Alfred Wansch, in einer Anfrage aufdeckte.

Überschaubare Leistungen für 100.000-Euro-Auftrag

Wie Die Presse berichtet, sollen die erbrachten Leistungen nicht eben überbordend gewesen sein. Zentral gestaltete sich offensichtlich eine Werbe-Webseite für das umstrittene Bauprojekt, auf der der Leser unmittelbar mit dem Bild Michael Ludwigs konfrontiert wird. Darauf angesprochen, ob es nicht unangebracht sei, ihre Tochter mit einem derartigen Auftrag zu bedenken, äußerte sich Ingrid Schubert wenig verständnisvoll: „Meine Tochter hat ja kein Berufsverbot, nur weil sie mit mir verwandt ist, oder?"

FPÖ-Appell an Ludwig hatte Erfolg: Schubert geht

Die FPÖ forderte etwa in Gestalt von Klubobmann Toni Mahdalik den Rücktritt Ingrid Schuberts, auch als SPÖ-Gemeinderätin. Er sieht den nunmehrigen SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig in der Pflicht, endlich für Ordnung in seiner Fraktion zu sorgen. Am 29. Mai dieses Jahres folgte im Rahmen der Generalversammlung der "Siedlungsunion" schließlich der Abgang Ingrid Schuberts als Vorstandsobfrau. Gegenüber Medien bestritt sie freilich jedweden Zusammenhang mit der umstrittenen Auftragsvergabe in der Dittelgasse: „Es gab viele Gründe, das war keiner. In erster Linie war es eine Hofübergabe an meinen Nachfolger.“

Alfred Wansch sieht die kompromisslose Linie des Mieterschutzringes und der FPÖ bestätigt: „Die Vertreter des Mieterschutzringes haben bewiesen, dass sie erfolgreich für die Interessen ihrer Mitglieder kämpfen. Die Bewohner haben sich eine Veränderung innerhalb der Siedlungsunion mehr als verdient.“


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