Überraschung: ORF wird vom Regierungs- zum Oppositionsfunk

ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg: Der Regierungswechsel änderte nichts an den linken Inhalten. Foto: By Thomas Ledl [CC BY-SA 3.0 at (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)], from Wikimedia Commons
ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg: Der Regierungswechsel änderte nichts an den linken Inhalten.
Foto: By Thomas Ledl [CC BY-SA 3.0 at (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en)], from Wikimedia Commons
28. Mai 2018 - 12:25

Man kann sich über den ORF oft nur noch wundern. Ein Mindestmaß an Höflichkeit würde erfordern, Propaganda wenigstens so zu gestalten, dass die Intelligenz der Zuseher nur beleidigt wird und nicht gleich verspottet.

Ein SPÖ-Kanzler reichte schon für eine "ausgewogene" Debatte

Die wichtigste Diskussionssendung des ORF ist „Im Zentrum“. Unter SPÖ-geführten Regierungen kam oft der Vorwurf, das Format wäre nicht kontrovers gestaltet. Es würde - einmal mehr, einmal weniger direkt - der Regierung schmeicheln. Im Normalfall nur so, dass man eine an sich vertretbare Einladungspolitik mit Experten anreicherte, die das linke Lager unter dem Deckmantel der Objektivität zur Vertretung des Wahren und Guten erklärten.

Manchmal aber auch ganz unverhohlen so, dass gleich nur der rote Bundeskanzler eingeladen wurde.

Mit dem Wechsel ist die Regierungsnähe dahin 

Inzwischen haben sich die Machtverhältnisse bekanntermaßen geändert. Volkspartei und FPÖ haben eine Regierung rechts der Mitte gebildet. Dass das die Regierungsnähe der Sendung abschwächen könnte, war abzusehen. Die Aktion gestern, Sonntag, war aber eine Leistung der Sonderklasse: Seit türkis-blau spricht in Ausnahmefällen nicht mehr die Regierung alleine, sondern es kommt nur noch die Opposition zu Wort.

Die Obleute von SPÖ, NEOS und Liste Pilz haben sich eine Stunde lang darüber unterhalten, wie man die Regierung stärker in die Mangel nehmen könnte (die sich übrigens trotz medialer Schlechterstellung bester Beliebtheit erfreut). Als Therapeutin wohnte Anneliese Rohrer der Sitzung bei. Sie trat schon zu Haider-Zeiten als FPÖ-Gegnerin ersten Ranges auf. Vor Publikum maßregelte sie die Diskutanten, man möge doch im Kampf gegen die "Stehsätze" von türkis-blau mehr Haltung zeigen. Der wirklich stets um Objektivität bemühte Peter Filzmaier konnte die Sendung im Alleingang auch nicht retten.

Vielleicht hängt diese Schieflage ja auch damit zusammen, dass Claudia Reiterer die Moderation innehat. Sie ist die Ehefrau von Lothar Lockel, der den Wahlkampf Alexander Van der Bellens gemanagt hat.

Ewiggestrige 68er

Passend übriges, dass am Ende der Sendung noch auf eine Doku direkt im Anschluss verwiesen wurde: "1968 – als die Zukunft begann". Wer würde da je eine politische Schlagseite vermuten? Leute, nehmt ihr euch eigentlich selbst noch ernst?

in

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