SPÖ, NEOS und Liste Pilz greifen ORF wegen Blümel-Einladung zum Kulturmontag scharf an

Wegen harmloser Fragen an Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) kritisieren die Kultursprecher der Oppositionsparteien den ORF. Foto: AleXXw - Own work / Wikimedia CC BY-SA 3.0 at
Wegen harmloser Fragen an Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) kritisieren die Kultursprecher der Oppositionsparteien den ORF.
Foto: AleXXw - Own work / Wikimedia CC BY-SA 3.0 at
10. Mai 2018 - 6:00

Wie schnell sich das Blatt doch wendet! Plötzlich ist es nicht die FPÖ, die den ORF für seine Berichterstattung scharf kritisiert, sondern – was für eine Überraschung –  es sind die Kultursprecher von SPÖ, NEOS und Liste Pilz. In einem „Offenen Brief“ wandten sich Thomas Drozda, Sepp Schellhorn und Wolfgang Zinggl an ORF-Generaldirektor Alexander Wrawetz, weil sie meinten, der zur Sendung „Kulturmontag“ eingeladene Minister Gernot Blümel (ÖVP) hätte nicht ausreichend kritische Fragen gestellt bekommen.

Frage zur Leidenschaft für Oper ärgerte Opposition

Am meisten mokierten sich die Kultursprecher der Oppositionsparteien über die Einstiegsfrage des Moderators:

Man hört, Sie sind ein großer Opernfreund, woher kommt diese Leidenschaft?

In der Folge durfte der Bundesminister – und nur dieser – sämtliche Themen aus der letzten Sitzung des Kulturausschusses kommentieren und diesen Themen breitenwirksam seinen "Spin" geben, ärgern sich Drozda, Schellhorn und Zinggl unisono. Was hätten die drei wohl gesagt, wäre statt Blümel ein SPÖ-Minister im ORF zu Gast gewesen und man hätte dem diese Frage gestellt? Und was hätte man wohl der FPÖ ausgerichtet, hätte sich diese dann über die einseitige Berichterstattung aufgeregt?

Angriff auf die Pressefreiheit

Drozda, Schellhorn und Zinggl würden die Freiheitlichen in diesem Fall, wie schon so oft, des Angriffs auf die Pressefreiheit bezichtigen. Schließlich wäre es journalistische Freiheit, wie man einen Bericht verfasse und welche Fragen ein Moderator stelle.

Der ORF reagierte in einer Aussendung erbost auf die Unterstellungen der Oppositionspolitiker:

Sowohl die Einladungspolitik als auch die journalistische Gestaltung der Sendung obliegt einzig und allein dem ORF. Einen persönlichen „Eindruck“ zu einer Fundamentalkritik an der Unabhängigkeit der ORF-Journalisten auszubauen, ist ebenso zurückzuweisen wie das In-den-Raum-Stellen, die Sendung sei in Zusammenarbeit mit PR-Abteilungen entstanden.

(… ) Somit ist es legitim und journalistisch notwendig, dass man einen Minister, der neu in einem Amt ist, zu einem generellen Interview über zahlreiche kulturelle und kulturpolitische Themen ins Studio lädt – eingebettet in kritische Beiträge zu aktuellen Themen. Es ist aber genauso journalistisch legitim, dem Studiogast persönliche Fragen zu stellen, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, dessen Einstellungen in Sachen Kunst und Kultur kennenzulernen…

Wollen Sie täglich per Mail über die neuesten Artikel informiert werden? Hier können Sie sich anmelden.
Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.