Musikpreis ECHO wegen Vergabe an Kollegah und Farid Bang abgeschafft

Der Rapper Kollegah alias Felix Blume, ein zum Islam konvertierter Deutsch-Kanadier. Foto: pitpony.photography / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)
Der Rapper Kollegah alias Felix Blume, ein zum Islam konvertierter Deutsch-Kanadier.
Foto: pitpony.photography / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)
27. April 2018 - 12:18

Der deutsche Musikpreis ECHO wird nicht mehr länger vergeben. Dies gab der Bundesverband Musikindustrie, der den Preis seit 1992 verliehen hatte, am 25. April bekannt. Der Grund für das Ende des Musikpreises ist die Vergabe des ECHOS 2018 in der Kategorie Hip Hop an die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3.

Kollegah (bürgerlich Felix Blume) ist Sohn eines Kanadiers und einer Deutschen. Im Alter von 15 Jahren konvertierte er zum Islam. Farid Bang (bürgerlich Farid Hamed El Abdellaoui) ist ein Marokkaner aus der spanischen Exklave Melilla. Seit 2009 nahmen die beiden drei gemeinsame Alben auf.

Liedtexte werden heftig kritisiert

Die Liedtexte des Albums, für das sie den Echo gewannen, wurden von zahlreichen Künstlern, Journalisten und Politikern als antisemitisch, frauenfeindlich, rassistisch, diskriminierend und gewaltverherrlichend eingestuft, wobei der Vorwurf des Antisemitismus klar dominierte. Das Lied 0815 enthält beispielsweise folgende Textstellen:

Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht
[...]

Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen
Ich tick' Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschen-Rapper
[...]

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick' ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
[...]

Sieh, wie der Boss-Cock deine Tochter zur Frau macht
In Clips, die sie in zwei Jahren erst offiziell schau'n darf
[...]

Und Jennifer Rostock schwingt nach 'ner Schelle den Kochtopf
Bringt dann die Säcke zum Kompost und blowt den prächtigen Boss-Cock

In dem Text des Liedes Gamechanger kommt ebenfalls eine als antisemitisch kritisierte Passage vor:

Hundesöhne rennen vor dem Halbkanadier, ich komm' und zertrenne deine Halsschlagader
Bange mit der AK, bam bam, alle meine Bratans Member in der Balkanmafia
Nutte, meine Lambositze Alcantara, mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow
Im Hennessy für meine Enemies und lasse deine Family verbrennen an 'nem Waldrandparkplatz

Das Lied Es Wird Zeit enthält diese Passage:

Ihr demonstriert gegen Waffen, ich demonstrier' meine Waffen
Bitch, Boss und Banger sind zurück, um Rapper niederzuklatschen
Um morgens wach zu werden, piss' ich an ein Starkstromgitter
Dann mach' ich mit dem Schwarzkopf Fitna wie Adolf Hitler
Wenn wir mal abkratzen, dann dein Blut, das an der Stoßstange klebt

Kritisiert wurden auch Textstellen aus dem Lied Drecksjob:

Steig' ich in die Bahn, dann um ein'n Opa zu schlagen
Um ihn in Ohnmacht zu schlagen? Nein, ihn ins Koma zu schlagen
Mit dem Sprengstoffgürtel auf das Splash-Gelände
In die Menschenmenge und kill' sechzig Menschen
Und nach einem Schlag denkst du, dich hätt' ein Lkw überfahr'n
Als wärst du aufm Weihnachtsmarkt

ECHO-Beirat sprach von „absolutem Grenzfall“

Vor der Preisverleihung war der ECHO-Beirat eingeschaltet worden, der über strittige Fälle entscheiden soll. Dieser Beirat war 2013 gegründet worden, nachdem man die Nominierung der Band Frei.Wild nach Protesten linker Künstler wieder zurückgezogen hatte. Dieser Beirat entschied im Fall von Kollegah und Farid Bang, die Nominierung nicht zurückzuziehen. Es handle sich um einen "absoluten Grenzfall". Man lehne die Liedtexte inhaltlich ab, glaube aber, dass ein formaler Ausschluss nicht der richtige Weg sei.

Dies sahen viele Künstler, Politiker und Journalisten anders. Zahlreiche frühere Preisträger gaben ihre gewonnenen ECHOS zurück, unter ihnen Daniel Barenboim und Marius Müller-Westernhagen.

Preis wird abgeschafft, damit sich „so etwas nicht wiederholt“

Der Bundesverband Musikindustrie entschloss sich als Reaktion auf die Kritik, den ECHO komplett abzuschaffen. Dieser Schritt wird so begründet:  Man wolle nicht, dass der ECHO als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde. Das Geschehene könne nicht rückgängig gemacht werden, aber man werde dafür sorgen, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederhole. Die Marke ECHO sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei.

Rapper distanzieren sich von Antisemitismus

Kollegah und Farid Bang distanzierten sich ausdrücklich von Antisemitismus, Diskriminierung von und Hass auf Minderheiten:

Farid Bang lud eine Holocaust-Überlebende, die das Album kritisiert hatte, ein, mit ihm gemeinsam ein Lied aufzunehmen. Kollegah postete auf Facebook eine Nachricht von einem jüdischen Fan und versprach dabei allen Juden freien Eintritt zu seinen Konzerten auf Lebenszeit:

Kollegah stellt Kritiker als Moralapostel und Heuchler dar

Auf die Angriffe von Medien, Künstlern und Politikern reagierte Kollegah mit Gegenkritik. Dem Sänger Campino, der die Preisvergabe an die beiden Rapper während der ECHO-Verleihung kritisiert hatte, warf Kollegah vor, sich als moralische Instanz aufzuspielen, was ihm nicht zustehe. Medien wie RTL und Bild konfrontierte Kollegah in einem Video mit ihren eigenen moralisch fragwürdigen Praktiken:

Heiko Maas gibt den Beschützer der Juden, ließ aber Masseneinwanderung zu

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hatte ebenfalls den Antisemitismusvorwurf gegen die Rapper erhoben und geschrieben, dass man Juden schützen müsse. Kollegah stellte dem entgegen, dass Maas selbst eine Masseneinwanderung von Antisemiten zugelassen habe:

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