Oper: „Schnee von gestern“?

Ist die Oper (Im Bild die an der Wiener Ringstraße) "Schnee von gestern" geworden? Foto: 495756 / pixabay (CC0)
Ist die Oper (Im Bild die an der Wiener Ringstraße) "Schnee von gestern" geworden?
Foto: 495756 / pixabay (CC0)
19. April 2018 - 22:16

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Den ungeheurer technischen Fortschritt unserer Zeit spiegelt die Oper nicht wieder. Aber unsere Gefühlswelt sehr wohl! Wir lieben und leiden wie zu Puccinis Zeiten. Doch viele, besonders junge Leute halten die Oper für „Schnee von gestern“. Das ist damit verbunden, dass immer wieder neue Technologien entstehen, die unser Leben einfacher machen. Heutzutage kann man fast alles tun, ohne das Haus zu verlassen: auf dem Laufenden bleiben, lernen, einkaufen, Freunde oder sogar Lebenspartner finden, kommunizieren, Geld verdienen, sich Filme ansehen usw. Auch wenn Sie sich entspannen oder spielen möchten, müssen Sie nicht nach draußen gehen, weil sie alle Dienstleistungen via Internet bestellen oder online kasino spielen können. Wer weiß, vielleicht werden die einfachen Kasinos auch als „Schnee von gestern“ bezeichnet werden und eines Tages in Vergessenheit geraten.

Was aber Oper angeht, so hat sie trotzdem viele Anhänger. Das ist wirklich eine hervorragende Kombination aus Musik, Dichtung, Komposition, Regie, Choreographie und Gesang. Viele Menschen genießen diese oft tragischen, aber rührenden Liebesgeschichten, die prächtigen Kostüme und die eindrucksvollen Bühnenbilder. Sie nehmen die Oper als direkte Übermittlung der menschlichen Emotionen wahr. 

Im Gegensatz dazu finden Jugendliche die Operninhalte oft altmodisch, museal,  konservativ oder sogar verkorkst. Es herrscht die Meinung, dass diese Kunst nur für wenige ist. Sie haben veränderte Ansprüche an Unterhaltung. Manchmal ist es auch der Fall, dass sie Schwierigkeiten beim Verstehen des Textes haben, sodass das gesamte Geschehen für sie langweilig und abstoßend ist. Die mangelnde musikalische Bildung gilt auch als Grund für Interesselosigkeit. Man kann natürlich nicht alle Jugendliche über einen Kamm scheren. Es gibt diejenigen, die Oper gern haben, aber trotzdem nicht besuchen, weil die Eintrittspreise zu hoch für sie sind.

Interessant finden wir die Tatsache, dass viele, die behaupten, dass sie die Oper nicht mögen, diese nie in ihrem Leben besucht haben. Sie verstehen nicht, welche spannende und beeindruckende Erfahrung das darstellt. Das bedeutet, dass wir in der Welt der Vorurteile leben. Wir verstehen nicht, wie viele Schubladen wir in unseren Köpfen haben, die unser Denken bestimmen. Wir teilen die Wirklichkeit in einfache Kategorien ein. Als verantwortungsbewusste Menschen müssen wir unsere Vorurteile immer hinterfragen und uns darum bemühen, vorschnelles Urteilen ohne eigene Erfahrung zu vermeiden und einzelne Erfahrungen nicht zu verallgemeinern.

Natürlich ist das Problem, das wir angeschnitten haben, eine reine Geschmackssache. Aber leider müssen wir gestehen, dass die Opernhäuser von heute unter enormem Druck stehen, ihre  Existenz zu rechtfertigen.

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