ORF hintertreibt Wiedererlangung der Staatsbürgerschaft für Südtiroler

Während die Regierung die Wiedererlangung der Staatsbürgerschaft für Südtiroler auf Schiene bringt, macht der ORF Stimmung dagegen. Foto: HaTe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Während die Regierung die Wiedererlangung der Staatsbürgerschaft für Südtiroler auf Schiene bringt, macht der ORF Stimmung dagegen.
Foto: HaTe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
24. März 2018 - 13:04

ORF-Online berichtet über den „Gedankenaustausch“ mit den Südtiroler Landtagsfraktionen zur Frage der Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft für Südtiroler. Dazu hatten Außenministerin Karin Kneissl und Innenminister Herbert Kickl am 23. März nach Wien geladen.

Staatsbürgerschaft für Südtiroler als Akt der Wiedergutmachung

Vor bald 100 Jahren wurde Südtirol gegen den erklärten Willen seiner Bevölkerung vom übrigen Tirol und von Österreich abgetrennt. Seither sind die Südtiroler gezwungen, unter einem anderen Staat zu leben. Die Möglichkeit, die damals geraubte Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen, wird daher als ein Akt der Wiedergutmachung angestrebt.

Dagegen laufen Italiens Nationalisten Sturm, vom roten Rand bis zum faschistischen Narrensaum. Ironie der Sache: Italien selbst hat schon vor über zehn Jahren den italienischen Minderheiten in Slowenien und Kroatien eben dies gewährt, was es nun mit theatralischem Gestus an Österreich kritisiert.

ORF versucht Keil in die Koalitionspartner zu treiben

Was macht der ORF? Er beginnt den Artikel mit „FPÖ-Außenministerin“. Erstens weiß man auch in der linksgewickelten ORF-Redaktion, dass Karin Kneissl nicht FPÖ-Mitglied ist. Zweitens ist das Staatsamt von der Partei zu trennen. Die Parteizugehörigkeit, wenn es eine gibt, was bei Kneissl nicht der Fall ist, wäre in Klammer dem Familiennamen nachzustellen (oder alternativ adjektivisch voranzustellen). Der Zweck? Einen Keil zwischen die Koalitionspartner zu treiben, denn die Staatsbürgerschaft für die Südtiroler ist Teil des Koalitionsabkommens.

Völlig unverständlich wird das ORF-Verhalten, wenn einem dem südtirolfeindlichsten, italienischen Nationalisten breiter Raum gegeben und dabei noch Rosstäuscherei betrieben wird. Die Familie von Alessandro Urzì kam im Zuge des faschistischen Kolonialisationsprogrammes nach Südtirol, dessen Ziel die Italianisierung des Landes und die Verdrängung der Südtiroler war. Sein Vater schrieb in jungen Jahren Treueschwüre auf Benito Mussolini und wurde dann – und das sagt alles über das Verhältnis Italiens zu Südtirol aus – höchster Staatsvertreter in Südtirol und damit erster Grenzwächter am Brenner. Der Sohn trat geistig in die Fußstapfen von Vater und Großvater und wurde Mitglied der postfaschistischen Partei „Alleanza Nazionale“. Man weiß in der Familie schließlich, wem man die Anwesenheit in Südtirol zu verdanken hat.

ORF bietet Südtirolfeinden eine prominente Plattform

Der ORF bietet ausgerechnet diesem notorischen Südtirolfeind die Möglichkeit, seine verlogenen Giftpfeile abzuschießen. Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Südtiroler nennt er einen „Schritt gegen Italien, aber auch gegen Südtirol – ein autonomiefeindlicher Schritt.“ Was für einen Eindruck will der ORF dem österreichischen Publikum mit einer solchen Lüge vermitteln?

Die Wahrheit ist, dass Urzì und Genossen, nichts ertragen, was zugunsten der Südtiroler ist, und alles bekämpfen, was die Stellung Italiens in den „eroberten Gebieten“ schwächen könnte. Als Schwächung sehen sie alles, was mit den Tiroler südlich des Brenners zu tun hat.

Der ORF lässt aus Südtirol nur den Italiener Urzì zu Wort kommen. Auch für den ORF zählen die Südtiroler nichts.

Perfide Übersetzung soll Sehern die italienische Position schmackhaft machen

Perfid wird der ORF, wenn er den Namen von Urzìs nationalistischer Mini-Partei „Alto Adige nel Cuore“ als „Südtirol im Herzen“ wiedergibt. In Wirklichkeit gibt es keine Partei solchen Namens. Gott bewahre, da würde sich ja Benito (Mussolini) im Grab umdrehen und für die italienischen Nationalisten eine Welt zusammenbrechen. Erstens haben die Südtiroler für Urzì nur ein Recht und eine Pflicht: gute italienische Staatsbürger zu sein und sich zu italianisieren, besser heute als morgen. Zweitens würde ein Urzì niemals den Landesnamen Südtirol verwenden.

„Alto Adige“ – Kunstbegriff der italienischen Nationalisten

Für ihn heißt der von Italien „eroberte“ Teil Tirols „Alto Adige“. Ein erst 1906 willkürlich auf Südtirol übertragener Kunstbegriff, mit dem Urzìs geistige Vorväter, die italienischen Nationalisten, ebenso willkürlich Gebietsansprüche erhoben. Es wäre die Pflicht der ORF-Redaktion sich soweit mit der Geschichte Südtirols (immerhin ein Teil Österreichs, auf den nie verzichtet wurde) vertraut zu machen, um zu wissen, worüber man berichtet. Wenn der Parteiname für deutsche Leser zum besseren Verständnis (?) übersetzt werden soll, dann in Klammern hinter der italienischen Originalbezeichnung und richtig als „Alto Adige im Herzen“. Damit wäre dann jedem Leser klar, wes Geistes Kind Urzì ist. Das aber scheint in der ORF-Redaktion nicht gewollt. Die Falschübersetzung „Südtirol im Herzen“ soll den irreführenden Eindruck erwecken, hier würden sich Südtiroler äußern oder würde jemand sprechen, dem Südtirol ein Anliegen ist. Nichts davon ist wahr. Urzì ist zudem auch Regionalkoordinator der italienischen Partei „Fratelli d’Italia“ (Brüder Italiens), die im Parteisymbol die Flamme der neofaschistischen Partei „MSI“ (1946-1995) führt.

ORF verschweigt wichtige Tatsachen

Völlig verlogen wird es, wenn der ORF Urzì sagen lässt: „Alle Parteien, seien sie links, rechts oder Mitte – im Landtag, aber auch auf nationaler Ebene – haben sich gegen diese Initiative geäußert“. Was der ORF unterschlägt: Urzì meint damit nur die italienischen Parteien, denn was die Südtiroler sagen, ist einem italienischen Nationalisten mit faschistischer Familienvergangenheit sowas von egal, dass es nicht einmal eine Erwähnung verdient, geschweige denn berücksichtigt werden müsste. Welche Rosstäuscherei versucht aber der ORF, wenn er eine solche Lüge verbreitet. Schließlich kennen die allermeisten österreichischen Leser ja nicht die Wahrheit.

Mehrheit des Südtiroler Landtags für angestammte Staatsbürgerschaft

Die Wahrheit ist, dass 28 von 36 Abgeordneten zum Südtiroler Landtag sich für die Möglichkeit zur Wiedererlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft ausgesprochen haben. 19 Abgeordnete, also die absolute Mehrheit des Südtiroler Landtages, wandte sich nach den österreichischen Nationalratswahlen 2017 sogar in einer außerparlamentarischen Initiative persönlich an Österreichs neuen Bundeskanzler Sebastian Kurz mit der Bitte, den Südtirolern ihre durch das Siegerdiktat von 1919 geraubte Staatsbürgerschaft zurückzugeben.

Dagegen sind nur die fünf italienischen Abgeordneten im Südtiroler Landtag und die Grünen. Warum wohl? Dabei geht es die einen nichts an und muss es die anderen nicht berühren. Erstens würde die österreichische Staatsbürgerschaft nur jenen zurückgegeben werden, die darum ansuchen (die Linksgrünen müssen das ja nicht tun). Zweitens betrifft die Initiative die Südtiroler, nicht die erst im Zuge des italienischen Kolonialismus in Südtirol angesiedelten Italiener.

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