Vietnam gedenkt blutigem Massaker der US-Armee vor 50 Jahren

My Lai: Von US-Einheit ermordete Zivilisten Foto: Ronald Haeberle / Wikimedia (gemeinfrei)
My Lai: Von US-Einheit ermordete Zivilisten
Foto: Ronald Haeberle / Wikimedia (gemeinfrei)
17. März 2018 - 9:30

Am 16. März 1968 schlachtete eine US-Einheit im südvietnamesischen Dorf My Lai innerhalb weniger Stunden 504 wehrlose Menschen ab. Zum 50. Jahrestag gedachte man dort der Opfer in einer Gedenkveranstaltung.

Symbol für viele Kriegsverbrechen

Mit neun Hubschraubern landete die „Charlie-Kompanie“ in den Morgenstunden des 16.März 1968 im kleinen südvietnamesischen Dorf mit dem Befehl, auf „alles zu schießen, das sich bewegt“. In der Folge mussten 504 wehrlose Menschen ihr Leben lassen, darunter hauptsächlich Frauen, Kinder und Alte. Selbst Säuglinge wurden nicht verschont. Vier Stunden dauerte das von der US-Militärführung befohlene Morden. In einem an Zynismus nicht zu überbietendem Telegramm beglückwünschte Oberbefehlshaber General William Westmoreland die beteiligten Offiziere und Soldaten sogar noch zum „ausgezeichneten Gefecht“.

Das Massaker von My Lai geriet in der Weltöffentlichkeit zum Symbolbild der US-Kriegsführung in Vietnam.

Massaker sollte vertuscht werden

Wie auch zahlreiche ähnliche Massaker an der Zivilbevölkerung sollte allerdings auch dieses Kriegsverbrechen vertuscht und der Öffentlichkeit verborgen bleiben. So sollte es mehr als ein Jahr dauern, ehe das Massaker durch Recherchen des Journalisten Seymour Hersh der Weltöffentlichkeit bekannt wurde. Nur nach und nach kamen die Geschehnisse ans Licht, die Medien berichteten nur zögerlich.

Drei Millionen Tote, unzählige Verstümmelte und Verletzte

Der Massenmord war nur eines unter vielen Kriegsverbrechen der USA im südostasiatischen Land. Schätzungsweise fielen über drei Millionen Vietnamesen der letztendlich gescheiterten Invasion der Großmacht zum Opfer. Die Folgen der Kriegsführung sind allerdings bis heute spürbar. Seit Kriegsende sind rund 150.000 Kinder mit schweren Missbildungen und Behinderungen zur Welt gekommen - verursacht durch das dioxinhaltige Entlaubungsmittel „Agent Orange“, produziert vom berüchtigten Chemie-Riesen Monsanto. 45 Millionen Liter dieses Giftes wurden im Lauf des Krieges von US-Flugzeugen über dem Land versprüht, und rund ein Siebtel der Gesamtfläche Vietnams nachhaltig kontaminiert. Rund drei Millionen Vietnamesen leiden bis heute unter den Spätfolgen des Gifteinsatzes.


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