Hilferuf einer SPÖ-Lehrerin: "Scharia ist für viele meiner Schüler sicherlich höherstehend"

Kaum ein Lehrer wagt sich aus Angst vor beruflichen Folgen, offen über den Kampf der Kulturen im Klassenzimmer zu sprechen. Foto: geralt / pixabay.com
Kaum ein Lehrer wagt sich aus Angst vor beruflichen Folgen, offen über den Kampf der Kulturen im Klassenzimmer zu sprechen.
Foto: geralt / pixabay.com
13. März 2018 - 17:30

Während die Politik die Probleme meist als "bedauerliche Einzelfälle" herunterspielt, warnen immer mehr Lehrer vor einem Kollaps des Schulsystems. Wer über die tatsächlichen Zustände spricht, bleibt meist anonym, weil sie sonst - wie die Rechercheplattform addendum berichtet - "als parteipolitisch motivierte Aktivisten denunziert oder mehr oder weniger sanft unter Druck gesetzt werden, sich nicht öffentlich zu äußern".

Personalvertreterin brach ihr Schweigen

Jetzt aber hat eine - man höre und staune - sozialdemokratische Personalvertreterin ihr Schweigen gebrochen. Susanne Wiesinger, Lehrerin in einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten, zeigt in einem Gespräch mit addendum die mit dem Islam verbundenen Probleme an Wiens Schulen offen auf:

Ich glaube, der Unterschied zwischen ihrer Welt zu Hause und unserer Welt ist so groß, dass sie das gar nicht mehr auf die Reihe kriegen. Die Scharia ist für viele meiner Schüler sicherlich höherstehend. Das ist schon das Wichtigste, ein guter Muslim und eine gute Muslima zu sein.

Wachsende Bildungsfeindlichkeit bei muslimischen Eltern

Außerdem ortet Wiesinger eine "wachsende Bildungsfeindlichkeit" bei muslimischen Eltern. Musik und Tanz würden aus religiösen Motiven abgelehnt und auch der Streit untereinander sei immer öfter religiös motiviert. Es gehe oft nur um den islamischen Glauben. In einer Klasse von 25 Kindern müsse man 21 Kinder in unserer Gesellschaft integrieren. Die Probleme seien kaum noch zu lösen, "es ist einfach zu viel", so die Lehrerin gegenüber addendum.

Von den eigenen Strukturen im Stich gelassen, wagt sich die Personalvertreterin trotz Angst vor beruflichen Folgen in die Öffentlichkeit. Es wäre schon viel getan, so Wiesinger, wenn die Behörden die Probleme zumindest einmal anerkennen und bisherige Versäumnisse eingestehen könnten.

Kampf der Kulturen in den Klassenzimmern

Dass nicht nur in den Klassenzimmern in Wien-Favoriten ein Kampf zwischen den Kulturen tobt, weiß der Schuldirektor der Neuen Mittelschule in der Deublergasse in Wien-Floridsdorf, Christian Klar. Er sagt in der Kronen Zeitung, dass es zwar kein neues Problem sei, als Lehrer an Brennpunktschulen beschimpft und körperlich bedrängt zu werden, es werde aber immer schlimmer.

Unzensuriert hat schon im März 2017 über eine Lehrerin in Wien-Favoriten berichtet, die von Kärnten nach Wien übersiedelte und plötzlich in einer Klasse stand, in der nicht Deutsch, sondern Türkisch gesprochen wurde. "Als sich die Schüler untereinander unterhielten, verstand ich kein Wort," so die Pädagogin, die verständlicherweise anonym bleiben wollte.

"Plötzlich flog eine Bank durch das Klassenzimmer"

Bei den Schulaufgaben wurde diese sprachliche Barriere bald sichtbar. Kaum einem Schüler gelang es, einen fehlerfreien deutschen Satz zu formulieren. Und das Benehmen? „Plötzlich flog eine Bank durch das Klassenzimmer – das sagt wohl alles“, so die Lehrerin, die in ihren langen Dienstjahren noch nie unter solchen Bedingungen und unter einem solchen Lärmpegel unterrichten musste.

„Ich war immer Sozialistin, aber seit ich in Favoriten unterrichte, bin ich blau“, gestand sie im Gespräch mit unzensuriert. In Favoriten habe sich ein regelrechtes Ghetto gebildet, und die Verantwortlichen reden alles schön. So werde quasi von oben verordnet, Schülern, die den Unterrichtsstoff nicht schaffen, trotzdem keinen Fünfer zu geben und keinen dieser Schüler sitzenbleiben zu lassen.

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