Grüne wollten nachhaltig in Straßenverkehr eingreifen: Außer Spesen nichts gewesen

Trotz intensiver Dauerberieselung: Die Wiener wollen nicht mit dem Fahrrad die Hügel hinauf- und hinunterfahren, schon gar nicht im Winter. Foto: Wikipedia / Ildar Sagdejev (Specious) (GFDL)
Trotz intensiver Dauerberieselung: Die Wiener wollen nicht mit dem Fahrrad die Hügel hinauf- und hinunterfahren, schon gar nicht im Winter.
Foto: Wikipedia / Ildar Sagdejev (Specious) (GFDL)
20. Februar 2018 - 10:00

„Wien ist in Europa und weltweit ein Vorreiter als 'Smart City'. Schon seit langem machen wir vieles richtig, im Verkehr, im Wohnbau, in der Stadtentwicklung, im Umweltschutz, in der Ver- und Entsorgung der Stadt,“ meinte Noch-SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl anno 2014.

Wien gönnte sich daraufhin eine „Smart City Wien Rahmenstrategie 2050“  und steckte Millionen an Steuergeldern in grüne Radwege, Lastenfahrräder und "Carsharing".

Anteil an Radlern und Fußgängern steigt seit Jahren nicht

Dass das Geld der Steuerzahler besser investiert hätte werden können, zeigt die aktuelle Statistik zum Verkehrsverhalten der Wiener. In der Verkehrsmittelverteilung, dem sogenannten „Modal Split“, bleibt der Anteil der Radfahrer am gesamten Verkehrsgeschehen seit Jahren konstant, nämlich bei mageren sieben Prozent. Genauso unverändert bei 28 Prozent bleibt der Anteil derer, die ihre Wege zu Fuß erledigen – und das seit 25 Jahren.

Für Junge ist Auto nach wie vor Statussymbol

Ebenso kann in der Wiener Bevölkerung ein Wertewandel des Autos nicht nachgewiesen werden: Das Auto gilt, unabhängig vom Verkehrsverhalten und Alter, weiterhin als praktisches, flexibles und individuelles Verkehrsmittel: Autobesitz ist nach wie vor für viele junge Menschen ein wichtiges Ziel bzw. Bestandteil ihres in Zukunft angestrebten Lebensstils. Viele können sich jedoch ein Auto noch nicht leisten, weshalb sie die öffentlichen Verkehrsmittel nützen. Jüngere Wiener sehen Autos als Statussymbol und noch viel positiver als ältere Einwohner. Umgekehrtes gilt für den öffentlichen Verkehr.

Unter "Road Runnern" sind Radwege nicht sehr beliebt

Die Bilanz des rot-grünen Erziehungsprogramms ist also verheerend. Möglicherweise gerade bei der von diesen Parteien bevorzugten Klientel - den Menschen mit "Migrationshintergrund". Bei denen zählt der hochgerüstete 3er-BMW allemal weit mehr als der Radweg. Auch gegen die Einbahn. Die aus dem Verkehr gezogenen Vehikel der bei sogenannten "Road Runnern" gefürchteten Kfz-Prüfstelle Simmering, geben bereits Zeugnis davon ab, wie etwa ein ausgiebiger Lokalaugenschein eines Redakteurs der amtlichen Wiener Zeitung ergab.

Wiener standen 2017 im Schnitt rund 40 Stunden im Stau

Ebenso verheerend ist die Bilanz zum täglichen Verkehrsgeschehen: Im Jahr 2017 standen Autofahrer in Wien durchschnittlich 40 Stunden im Verkehr fest. Das ist eine ganze Arbeitswoche. Damit liegt die Bundeshauptstadt auf Platz 89 von insgesamt 1.360 untersuchten Städten in 38 Ländern. 

Doch die Grünen bleiben weiter bei ihrem „Njet“ zu wichtigen Verkehrsprojekten in Wien. Über die Probebohrungen für den dringend benötigten Lobautunnel zur Umfahrung muss nun das Gericht entscheiden.

Vassilakou fordert noch mehr Geld

„Die Stagnation zeigt, wir müssen die bisherige Vorgehensweise kritisch betrachten, es bedarf mehr Anstrengungen und Investitionen“, sagt  Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zur unveränderten Verkehrsmittelverteilung. Die bisherige Verkehrspolitik wird also fortgesetzt.

Bestellt – geliefert

Nachdem jeder zweite Wiener bei der Nationalratswahl 2017 - entgegen dem bundesweiten Trend - einer linken beziehungsweise einer linksaußen stehenden Partei seine Stimme gab, fühlen sich die Vertreter der rot-grünen Stadtregierung anscheinend bestätigt. Peter Pilz schaffte aus dem Stand 7,51 Prozent, die Grünen, die außerhalb Wiens schwer abgestraft wurden, errangen in Wien immerhin noch 5,9 Prozent, und die SPÖ erreichte mit 34,49 Prozent ein sensationell gutes Ergebnis.

Maresch vs. Ludwig: "70er-Jahre-Strategie"

Entsprechend selbstbewusst hatte sich daher der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch gegen den designierten Bürgermeister positioniert: „Es ist schade, dass der zukünftige Bürgermeister Michael Ludwig in der Verkehrspolitik offenbar auf eine 70er-Jahre-Strategie setzt“.

Wer in Wien in der Verkehrspolitik tatsächlich das Sagen hat, wird sich nach dem 24. Mai zeigen, wenn Ludwig endlich die Nachfolge Häupls antreten kann.

Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.