Alexander Dugin zu Gast in Wien - Medienhetze vor Vortragsbesuch

Der russische Philosoph A. Dugin sprach in Wien (Foto: www.suworow.at)
Der russische Philosoph A. Dugin sprach in Wien (Foto: www.suworow.at)
27. Januar 2018 - 18:34

Die österreichischen Medien wühlten im Vorfeld des Besuchs von Alexander Dugin in ihrer Klischeewörterkiste und förderten die üblichen Pickerln zutage: „Russischer Neofaschist vor Akademikerball in Wien“, „Russischer Rechtsaußenideologe hält Vorträge in Wien“. Man spekulierte, ob Dugin womöglich den Akademikerball besuchen würde, wie er es bereits 2009 getan hatte, damals als Ehrengast, ein Ballbesuch war aber für heuer nicht am Plan.

Das Suworow-Institut und der Libertäre Thomas Bachheimer hatten gemeinsam geschafft, Alexander Dugin nach Österreich einzuladen. Aufgrund des medialen Alarmgeschreis wurde es notwendig, den Veranstaltungsort bis zuletzt geheimzuhalten und schließlich in die Räumlichkeiten des mazedonischen Kulturinstituts auszuweichen.

Gegen Liberalismus und Globalismus - für europäische Identität

Am Donnerstag dem 25. Jänner trug Professor Dugin in seinem Abendvortrag vor etwa 150 Zuhörern zum Thema „Die Zukunft Europas“ vor, am Freitag dem 26. Jänner diskutierte er in einem kleineren Kreis über den Liberalismus. Gastgeber Thomas Bachheimer schreibt auf seiner Seite:

Die Veranstaltungen sollen nicht als Zusammentreffen irgendwelcher Sowjet-, Faschismus- oder Sonstwashuldiger verstanden sein. Auch wird es nicht um kritikloses Russland-Verehren gehen - sicher aber auch nicht um die kritiklose Ablehnung des Landes. Vielmehr werden die Zukunft der europäischen Zivilisation(en), die Möglichkeiten eines künftigen Zusammenlebens Zentraleuropas mit Russland, aber auch die Verteidigung liberaler Ideen gegenüber der Liberalismus-Kritik (der wahre Grund für die Einladung) des Gastes diskutiert werden.

Warum wird Dugin so gehasst?

Dugin ist seit seinen Auslassungen zur Ukraine-Krise als Befürworter des Genozids diskreditiert worden, auch alle aktuellen österreichischen Medienberichte zum Dugin-Besuch lassen nicht aus, er habe 2013 das „Töten“ der ukrainischen Demonstranten am Maidan gefordert. Hiermit verbreiten sie wieder einmal Falschnachrichten, denn Dugin hatte 2014 im Spiegel-Interview gesagt: "Halt, halt. Nachdem die Leute vom Rechten Sektor und von der Nationalgarde im Gewerkschaftshaus von Odessa Menschen verbrannt hatten, sagte ich: Leute, die solche ungeheuerlichen Verbrechen begehen, muss man töten, töten, töten. Es ging nur um diejenigen, die solche Verbrechen begehen!" Er ist also ein Befürworter der Todesstrafe und nicht des Genozids.

Gegen Kommunismus, Faschismus und Liberalismus

Seine „Vierte Politische Theorie“ ist für die Neue Rechte genauso wie die Theorie des „Ethnopluralismus“ von Dugins Freund Alain de Benoist überaus bedeutsam. Diese Theorie soll die drei totalitären Ideologien Kommunismus, Faschismus und Liberalismus ablösen. Dugins Vorstellungen werden von linker Seite selber für faschistisch gehalten und mit der NS-Rassenideologie zusammengebracht. Exakt diese Frage, ob der Philosoph eigentlich „ethnischer Nationalist“ ist, oder ob für Dugin ein starker geistiger Patriotismus wesentlich ist, ist mit ihm – besonders in Hinblick auf den Islam, demgegenüber er sich widersprüchlich bis positiv äußert – diskutiert worden. Ob man so einfach ein geistig intaktes Russland gegen die globalisierte Welt setzen kann und was dies für die Ost-Orientierung Europas bedeuten kann, war die zentrale Frage der Diskussion.

"Weltpolizei" USA - Ungleichgewicht der Kräfte

Doch was stellt Dugin sich eigentlich vor? Zentral für ihn ist, daß die Vormachtstellung Amerikas zu einem extremen Ungleichgewicht der Kräfte geführt hat, einerseits als geopolitische Macht USA, andererseits durch ihren ausgreifenden Universalismus und Interventionismus. Europa ist gegenwärtig völlig unfähig, Amerika und der von dort ausgehenden Globalisierung irgendetwas entgegenzusetzen. Ist die Antwort auf McWorld also bloß der islamische Dschihad? Dugin meint, nein: Europa hat eine christlich-antike Identität, nur ist sie verschüttet und begraben unter der liberalistischen Ideologie.

Mobilisierung gegen die neue globale Weltordnung

In seinem Vortrag am 26. Jänner ging er von den geistig-seelischen Grundlagen aus, die Europa ausmachen. In der antiken Vorstellung des „Logos“ und im Christentum liegt unser Fundament und unsere Kraft. Mit dem Beginn der Moderne begann die Befreiung des „Individuums“ aus seiner eigentlich menschlichen kollektiven Identität. Heute ist der Liberalismus, die Ideologie der Befreiung des Individuums, selber totalitär und weltumspannend geworden.

Dugins Idee einer „multipolaren Welt“

Eine gesunde Großraumordnung der Völker und der kontinentalen Mächte ist so lange unmöglich, wie die USA einerseits politisch als Welt-Hegemon agieren, andererseits die „Neue Weltordnung“ bis in den letzten Winkel tragen. Alexander Dugins Idee einer „multipolaren Welt“ stellt Europa und Asien als Mächte gegen Amerika.

Diese neue Ordnung ist aber nur möglich durch Rückbesinnung auf den, wie er sagte, „metaphysischen“ Glutkern Europas, den es wieder gegen die liberalistische Dekadenz zu entfachen gelte. Wer also Dugin vorwirft, Europa oder Österreich zerstören zu wollen, der irrt. Und wer glaubt, hier sei ein esoterischer Faschist nach Wien eingeladen worden, der irrt ebenfalls.

 

Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.