Objektivitätsstreit im ORF: ZIB-Innenpolitikchef Bürger sauer auf "Report"-Chef Wiesner

Kanzler Kerns Aussage zu seinem "Plan A" führte zum Objektivitätsstreit im ORF. "ZIB"-Innenpolitikchef Hans Bürger (re.) zeigt Unverständnis über den indirekten Angriff seines Kollegen Robert Wiesner. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia CC BY-SA 2.0
Kanzler Kerns Aussage zu seinem "Plan A" führte zum Objektivitätsstreit im ORF. "ZIB"-Innenpolitikchef Hans Bürger (re.) zeigt Unverständnis über den indirekten Angriff seines Kollegen Robert Wiesner.
Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia CC BY-SA 2.0
22. November 2017 - 17:00

Die bevorstehende türkis-blaue Regierung macht offenbar einige Journalisten im ORF sehr nervös. Plötzlich sorgt sich "Report"-Chef Robert Wiesner im Rahmen seiner Buchpräsentation um die Objektivität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und vermutet Gefahren "aus den Reihen der ORF-Journalisten selbst", wie der Standard berichtete.

"Plan A" für eigene Wähler schwer zu verstehen

Anlass seiner Kritik: Laut Wiesner habe die Redaktion ein Anruf aus türkisen Kreisen erreicht, mit der Botschaft, man solle nicht übersehen, dass SPÖ-Chef Kern in seiner Pressekonferenz davon geredet habe, dass sein "Plan A" sogar für seine eigenen Wähler zu schwer zu verstehen gewesen wäre.

Angeblich soll es sich um die Zeit im Bild vom vergangenen Dienstag gehandelt haben, in der folgende Aussage von SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern auf Sendung kam:

Sein Plan A habe mehr Inhalte, als einem durchschnittlichen Wähler verdaubar ist. In der gesamten Breite wäre er für viele Menschen nicht überschaubar.

Unverständnis über indirekten Angriff eines Kollegen

Wie die Tageszeitung Österreich schreibt, zeigte "ZIB"-Innenpolitikchef Hans Bürger Unverständnis über den indirekten Angriff seines Kollegen. Zwei Redakteure hätten die Wahl zwischen zwei "starken Sagern" Kerns gehabt. Einerseits über den "Holzweg", auf dem man sich befände, wenn man in der SPÖ einen Richtungsstreit „links“ oder „rechts“, „Stadt“ oder „Land“ führe, anderseits der „Plan A"-O-Ton. Bürger habe seinen Redakteuren die Entscheidung überlassen.

Beim Anrufer aus "türkisen Kreisen" soll es sich um den Pressesprecher von Außenminister Sebastian Kurz, Gerald Fleischmann, gehandelt haben. Fleischmann bestreitet aber, diesen Anruf getätigt zu haben.

Wiesner ein Linksausleger im ORF

Bemerkenswert in dieser Causa ist, dass ausgerechnet Robert Wiesner als Gralshüter von Christian Kern auftritt. Dass der "Report"-Chef im ORF zu den Linksauslegern gehört, ist sattsam bekannt, war er doch Redakteur der Arbeiterzeitung. Wenn jemand im Verdacht steht, politischen Spin in die ORF-Reportagen zu bringen, dann wohl Wiesner selbst.

Bei Prammer "etwas Geniales" bestellt

Unzensuriert berichtete im Mai 2009, wie Robert Wiesner als Sendungsverantwortlicher einer "Report"-Ausgabe, in der es um einen "Weiterdreh" zu Ebensee, SORA-Studie und Rechtsruck ging, sich von der damaligen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) gewünscht haben soll, dieser Reportage einen besonderen Glanz zu verleihen. Den Wunsch Wiesners fasste Prammers Pressesprechers in einem Mail so zusammen: Sie solle "etwas sagen, was über das Bisherige hinausgeht, etwas Überraschendes [...] - etwas Geniales halt".

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