Macron & Co.: Von den Medien hochgelobte Wunderwuzzis fallen oft sehr schnell sehr tief

Zunächst mit 66 Prozent gewählt, sank die Beliebtheit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon bald ins Bodeniose. Foto: Gouvernement français / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0-FR)
Zunächst mit 66 Prozent gewählt, sank die Beliebtheit von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon bald ins Bodeniose.
Foto: Gouvernement français / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0-FR)
7. September 2017 - 18:23

EU-weit organisierter Freudentaumel brauch aus, als Marine Le Pen die Präsidentenwahlen in Frankreich verlor und der von den Medien hochgejubelte Emmanuel Macron in den Elysee-Palast einzog. Seitdem ist die Macron-Euphorie in Rekordzeit verflogen, der vermeintliche Wunderwuzzi entzaubert, das Land ernüchtert - und dessen Probleme ungelöst.  

Jedes Land hat seine Macrons, in Österreich heißen sie Kern und Kurz.

Gastkommentar von Friedrich Rödler

Christian Kern hat seine Entzauberung bereits jetzt weitestgehend geschafft. Der Manager aus der angeblichen Privatwirtschaft, in Wahrheit ein Politlehrling aus der Werkstatt Peter Kostelkas, der den in SPÖ-Kreisen jedenfalls schon seit Hannes Androsch nicht unüblichen Transfer aus den Vorzimmern der Regierungsmacht in staatsnahe oder staatliche Unternehmen wie Verbund und ÖBB absolviert hat, ist bereits jetzt durch eigenes Verhalten und durch fehlende Führungskompetenz im Mehrfrontenkrieg rivalisierender roter Parteiflügel faktisch demontiert.

Dahin ist das von Macron abgeschaute Image des Machers. Zu laut drangen die Nachrichten über das Fehlen jeglicher Führungskompetenz angesichts streitender und sich anrempelnder Mitarbeiter an die Öffentlichkeit, zu schwach die Unterstützung namentlich durch die in sich zerstrittene Wiener SPÖ, zu durchsichtig der – angeblich vom justizgejagten Herrn Tal Silberstein – verordnete Schwenk zum Klassenkampf. Und die 209 Seiten „Programm“, die sich kaum ein Wähler als Lektüre antun wird, sind in Wahrheit eine schonungslose Auflistung der Versäumnisse roter Kanzlerschaft während mittlerweile mehr als zehn Jahren. 

Alle Umfragen signalisieren es, dass der Wähler keine Prolongierung all dessen haben will – und daran wird sich nichts ändern, auch nicht deswegen, weil der neue rote Frontmann Slimfit-Anzüge a la Macron trägt.

Sebastian Kurz hat die - hoffentlich noch zeitgerechte - Entzauberung erst vor sich. Der Schmäh mit der Abkoppelung von seiner Partei mag noch eine Zeit lang funktionieren, aber spätestens vor den kommenden Landtagswahlen werden ihm – wie jedem anderen ÖVP-Obmann davor - die schwarzen Parteigranden in den Ländern zeigen, wo der Bartl den Most holt.

Viel größeres Ungemach erwartet den nicht einmal noch richtig dem Schulsprecher-Image entschlüpften türkisen Häuptling aber bereits im Echtbetrieb des Wahlkampfes.

Eingeklemmt zwischen dem schonungslosen Nachweis der systematischen Plagiatisierung, des nun schon siebenjährigen Mit-dabei-Seins bei einer hoffnungslos abgewirtschafteten rot-schwarzen Regierung, seinem herzlichen Willkommen für die auf einmal sogar von ihm als Problem erkannte Migrantenwelle,  größtenteils Show-Kandidaten auf der Bundesliste und seinem zunehmend angegriffenen Nervenkostüm wird der selbstkonstruierte Sunnyboy die ihm medial prognostizierten 33 Prozent mit Sicherheit nicht einfahren können – und sei es nur deshalb, weil siegessichere Türkis-Schwarze bequemlichkeitshalber gar nicht erst nicht zur Wahl gehen werden.

Sollte danach Kurz nicht aufs Kanzlersesserl krabbeln können, ist ihm seine weitere Zukunft auch ohne intime Kenntnis der Mechanismen der ÖVP unschwer vorherzusagen. Und jede Stimme für die türkise Kopierwerkstätte wird, wie gehabt, eine Stimme für die schwarz gebliebene ÖVP und ihren ungewissen Nachfolger als Obmann sein.

Dem Höhenrausch folgt die Demaskierung

Fazit: Jedes Land hat seine Macrons. Das französische Original wurde mit 66 Prozent gewählt, aber bereits wenige Wochen danach ist nur noch ein Drittel der Franzosen mit seiner Politik zufrieden. Bittere Ernüchterung folgte dem süßen Höhenrausch, Macron hat sich – trotz kolportierter 27.000 Euro für Visagisten – in drei Monaten selbst demaskiert.

Österreichs Wähler sind gut beraten, daraus zu lernen und ihre heimischen Macrons spätestens am Wahltag selbst abzuschminken.

Dr. Friedrich RÖDLER (*1954) war Mitglied des Rechnungshofes (1978-2001), Generalsekretär des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (2001-2005), Präsident des Österreichischen Patentamtes (2005-2015) und ist seit 2017 Inhaber einer Unternehmensberatung (www.roedler-consult.at).

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