Tourismus-Experten: Steuerbelastungen durch Regierung erhöhen Konkurrenzdruck

Die Hotelbetriebe in Zell am See, hier das Grand-Hotel, stöhnen unter der Last der Steuern und Abgaben.  Foto: Piotr Michalak / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
Die Hotelbetriebe in Zell am See, hier das Grand-Hotel, stöhnen unter der Last der Steuern und Abgaben.
Foto: Piotr Michalak / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)

Herbe Kritik kommt von heimischen Tourismusexperten an der Regierungspolitik aus Sicht der heimischen Fremdenverkehrswirtschaft. Unter dem Titel „Die Beutelschneiderei gehört abgeschafft“ hat die in Zell am See /Salzburg beheimatete Tourismusberatung Prodinger ein Ideenpapier für die Hotellerie erarbeitet, das eine Problemanalyse und einen Forderungskatalog an eine zukünftige Tourismuspolitik beinhaltet. Dabei spart man nicht mit Kritik an der derzeitigen Situation, hervorgerufen durch die rot-schwarze Bundesregierung:

Die letzte Tarifreform war für die Mitarbeiterlöhne positiv, aber neue Belastungen naschen schon wieder an den Bruttolöhnen kräftig mit, weshalb die Beschäftigten real abermals nicht mehr verdienen. "Das ungute Phänomen „kalte Progression“ wurde nicht abgeschafft", kritisiert Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung.
 
Das Zusammentreffen von sinkenden Aufenthaltsdauern und fallenden Preisen bewirkt, dass die Auslastung der gewerblichen Betriebe weiter bei 40 Prozent verharrt. Unter dem Strich steht mehr als jedes zweite Bett leer, und die Preise liegen noch immer unter dem Wert von 2008 - also der Zeit vor der Krise. Trotz der positiven Nächtigungsentwicklung führte die Erhöhung der Umsatzsteuer auf 13 Prozent zu einer Stagnation der Betriebsergebnisse. Seit 2010 sind die Personal- und Wareneinsatzkosten um 21 Prozent gestiegen. 1,1 Mrd. € wurde an Provisionen bezahlt. Die Summe der zu bezahlenden Umsatzsteuer hat sich in den letzten vier Jahren um fast 60% erhöht. 

 

Dies hätte aus Sicht der Experten zur Folge, dass Aufwendungen in die Infrastruktur und damit der Basis für brauchbare betriebswirtschaftliche Ergebnisse immer öfter nicht mehr leistbar sein würden. Dies spiele sich alles auch noch vor dem Hintergrund eines zunehmenden internationalen Konkurrenzdrucks ab. Demgegenüber würde in Ländern, wo die Umsatzsteuer auf Nächtigungen gesenkt würde, die Kraft der Innenfinanzierung der dortigen Hotellerie wachsen und somit die Mitbewerber gegenüber der heimischen Nächtigungswirtschaft stärken.

800 Hotelbetriebe stehen bis 2020 vor der Weitergabe

Dabei würden rund 800 Hotelbetriebe bis 2020 vor der Weitergabe stehen, in 80 Prozent der Fälle würde eine Weitergabe innerhalb der Familie angestrebt. Gleichzeitig arbeiten aus Sicht der Tourismusexperten sehr viele Betriebe am Rande der Rentabilität. Deshalb würden neue Steuerpläne, etwa bei der Vermögens- oder Erbschaftssteuer der falsche Weg sein:

Bis 2020 stehen rund 800 Hotels in Österreich vor der Weitergabe. Bei 80 Prozentdavon geht es um Übergaben innerhalb der eigenen Familien. Diese Übergaben erfolgen in Form einer Erbschaft beziehungsweise einer Schenkung an die neuen Besitzer. In einigen Partei-Programmen kommen Substanzsteuern wie Erbschafts- und Schenkungssteuer wieder vor. Für Betriebe sind zwar „Freibeträge“ vorgesehen, und für die Weitergabe von Hotels innerhalb der Familie gibt es Sonderregelungen. Doch sind Hotels nicht immer gleich Hotels. Insbesonders wären die geltenden steuerlichen Unterschiede zwischen Privat- und Betriebsvermögen zu beachten. So kommt gerade in der Hotellerie aus steuerlichen Gründen häufig der Fall einer Vermietung oder Verpachtung des privaten Immobilienvermögens an eine Betriebsgesellschaft vor. Auch in anderen Konstellationen würde die Besteuerung von Privatvermögen auf Hotelbetriebe durchschlagen. 
 
Die meisten Betriebe arbeiten am Rande der Rentabilität und haben, insbesondere bei Übergaben, keine Kapazitäten mehr für politisch motivierte Steuerexperimente

Das Ideenpapier ist bei Tourismusberatung Prodinger Zell am See abbrufbar:http://www.prodinger-tourismusberatung.at/wp-content/uploads/2017/08/Ideenpapier-2017.pdf

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