Heimatliche Almwirtschaft und ihre vielfältigen Funktionen

Die alpine Almbewirtschaftung ist in Österreich seit Jahrhunderten fester Bestandteil von Kultur und Wirtschaft. Foto: unzensuriert.at
Die alpine Almbewirtschaftung ist in Österreich seit Jahrhunderten fester Bestandteil von Kultur und Wirtschaft.
Foto: unzensuriert.at
20. August 2017 - 13:00

Seit jeher spielen Almen (Bergweiden) im alpinen Raum und so auch in unserer Heimat eine bedeutende Rolle. Almen und Sennereien prägen seit alter Zeit das Landschaftsbild und sind eng mit der regionalen Kulturgeschichte verbunden. Viele althergebrachte Bräuche, Rezepte und Traditionen in der bäuerlichen Gesellschaft sind unmittelbar auf die Almwirtschaft zurückzuführen.

Wirtschaftsfaktor Almwirtschaft

Der Beginn der traditionellen Almwirtschaft wird im 7. Jahrhundert vermutet. Für das Dachsteingebirge konnte eine bronzezeitliche Almwirtschaft von 1700 bis 900 v. Chr. nachgewiesen werden. In früheren Zeiten diente die Almwirtschaft in den alpinen Regionen zur Nahrungsmittelversorgung, ohne die dort beispielsweise der Bergbau nicht möglich gewesen wäre. Im 14. bis 16. Jahrhundert erlangte die Bewirtschaftung von Waldalmen durch die dort stattfindende Käseproduktion besondere Bedeutung.

Die Haltung von Milchvieh samt der Herstellung von Butter und Käse ist seit jeher ein fester Bestandteil der Almwirtschaft. Durch die Produktion hochwertiger Lebensmittel wie Milch, Butter, Käse und Fleisch trägt die Almwirtschaft maßgeblich zum Gesamteinkommen der bäuerlichen Betriebe bei.

In Österreich dehnen sich die rund 8.400 Almen auf einem Fünftel unseres Staatsgebietes aus. Außer dem Burgenland und Wien sind alle Bundesländer almwirtschaftlich geprägt. Die Almwirtschaft ist damit  zentraler Bestandteil der heimischen Berglandwirtschaft. In den Sommermonaten sorgen jedes Jahr rund 7.000 Hirten für 51.000 Milchkühe, 265.000 Rinder, 9.000 Pferde, 114.000 Schafe und 10.000 Ziegen.

Natur- und Erholungsraum

Die Almregionen in ihrem heutigen Erscheinungsbild sind jedoch keine unberührten Naturgebiete, sondern über Jahrhunderte durch landwirtschaftliche Nutzung geprägte Kulturlandschaften mit vielfältigen Funktionen. Durch die regelmäßige, extensive Bewirtschaftung haben sich die Almregionen zu einem vielfältigen Natur- und Erholungsraum gewandelt.  

Die attraktive, gepflegte Kulturlandschaft hat sich insbesondere zu einem wichtigen Zugpferd für den heimischen Tourismus entwickelt. Gäste aus aller Welt, aber auch die einheimische Bevölkerung, schätzen die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Wanderwegen, Mountainbike-Strecken, Schipisten, Almhütten und gemütlichen Einkehrmöglichkeiten. Ohne die mühevolle Bewirtschaftung der Almen durch die heimische Bauernschaft wäre dies allerdings nicht möglich.

Der Almabtrieb

Der traditionelle Almabtrieb der festlich geschmückten Weidetiere wird in den Septemberwochen jeden Jahres zugleich als Wirtschaftsbrauch und Freudenfest gefeiert. Von den Hochweiden ins Tal zurückgekehrt, werden seit jeher Rinder, Senner und Hirten freudig mit Musik empfangen. In vielen alpinen Gemeinden hat sich der Brauch nicht nur erhalten, sondern wurde auch zu einem touristischen Spektakel ausgebaut.

Für die Tirol Werbung zählt der Abtrieb beispielsweise zum farbenprächtigsten, lebendigsten und traditionsreichsten Brauchtums-Spektakel des Landes. Doch auch in vielen Gemeinden der anderen Bundesländer wird der Almabtrieb festlich begangen.

In Kärnten wird die Leitkuh, die die Glocke trägt, mit einem Kranz aus Zirbenzweigen, Blumen und Buntpapier geschmückt. Die Sennerin verteilt an alle, die dem Zug begegnen ein Schmalzgebäck, die Rumplernudeln, und bringt auch welche für die Bauern im Ort mit. Gab es auf der Alm kein Unglück, werden im Ennstal (Steiermark) Kühen, Kälbern, Ochsen und Stieren Halskränze und verzierte Hörner dargebracht. Auch Pferde, Ziegen und Schweine werden festlich geschmückt. Zum Dank für eine gute Saison besuchen die Sennerinnen eine Messe. In Dienten am Hochkönig (Salzburg) feiern die Sennerinnen und Senner ihre Rückkehr von der Alm mit einem Kranzltanz.

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