Verliert der künftige Staatsoperndirektor seinen Doktor und reißt Minister Drozda gleich mit?

Die Wiener Staatsoper unter Roščić und Kulturminister Drozda auf Talfahrt. Foto: Johann Werfring / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Die Wiener Staatsoper unter Roščić und Kulturminister Drozda auf Talfahrt.
Foto: Johann Werfring / wikimedia (CC BY-SA 3.0)
12. Juli 2017 - 13:36

Am 21.Dezember 2016 hatte Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) den ehemaligen Ö3-Chef - seit sieben Jahren Leiter der Klassik-Sparte bei Sony - Bogdan Roščić ab der Saison 2020/2021 als neuen Musikdirektor der Wiener Staatsoper designiert.

Gastkommentar von Unzensurix

Als oberösterreichische Rote kennt man sich. Drozda, 1964 in Oberösterreich geboren, und Roščić, 1964 in Belgrad geboren, aber seit 1974 in Linz lebend, sind offensichtlich Jugendfreunde. 

Roščić Meriten in Österreich sind Programmdirektor von Ö3 mit den Schwerpunkten "Popmusik, aktuelle Information und Comedy" gewesen zu sein. 1993 wurde er Musikchef und 1996 Senderchef von Ö3. Als Schwarzblau kam, verließ Roščić Österreich, aus welchem Grund auch immer. Erfahrung bringt Roščić für die Position übrigens keine mit. Er hat noch nie in einer Theateradministration gearbeitet und folglich auch kein Theater oder eine Oper oder ein Konzerthaus geleitet.

Pläne des designierten Musikdirektors für die Staatsoper

Bei seiner Ernennung präsentierte Roščić seine Pläne für die Staatsoper, Österreichs letztem Kulturhaus von internationaler Bedeutung: Stärkung des Ensemblebetriebs und mehr zeitgenössische Aufführungen.

Ersteres ist reiner Hohn: Ensemblebetrieb war eine Notlösung in der sparsamsten Zeit der 1940er und 1950er Jahre, aber ungeeignet für ein Haus erster Klasse mit internationalem Ruf.

Zweiteres ist in der Regel, sprich zu 95 Prozent, ein Graus. Zeitgenössische Werke kosten nur Geld und verschaffen „Freunderln“ satte Einnahmen für Werke, die niemand hören will. Sprich, sie werden vom Publikum, das in Abonnements damit zwangsbeglückt wird, abgelehnt, aber von den „Kulturkritikern“ gelobt. Das „System“ lobt sich selbst (siehe zuletzt Wiener Festwochen).

Beide Maßnahmen zeugen von einem Hass gegen die musikalische Hochkultur. Denn der Ensemblebetrieb taugt, wenn man aus Wien eine erstklassige Provinzbühne machen will, aber nicht, wenn es eines der ersten Häuser der Welt bleiben soll.

Ergebnis der Plagiatsvorwürfe gegen Roščić noch vor der Wahl

Im März dieses Jahres platzte dann eine Bombe: Plagiatsvorwürfe gegen den künftigen Musikdirektor der Staatsoper! Mit einem Ergebnis des Prüfungsprozesses rechne man noch „vor dem Beginn des neuen Studienjahres“, hieß es damals seitens der Uni Wien. Freilich war da der Wahltermin im Oktober noch nicht bekannt.

Dozent Dr. Stefan Weber, Sachverständiger für Plagiatsprüfung, wirft Roščić vor, bei der 1988 eingereichten Arbeit mit dem Titel „Gesellschaftstheorie als kritische Theorie des Subjekts: zur Gesellschaftstheorie Th. W. Adornos“ abgeschrieben zu haben und hatte Anzeige erstattet. Roščić habe demnach fünf Seiten seiner einstigen Dissertation wortwörtlich und ohne Quellenangaben von Peter Decker abgeschrieben.

Decker ist heute Chefredakteur der neomarxistischen deutschen Zeitschrift „GegenStandpunkt“ und arbeitete seinerzeit mit Roščić in einer marxistischen Gruppe zusammen, die vom Verfassungsschutz in Bremen (SPD) und Bayern (CSU) beobachtet wurde.

Plagiatsvorwürfe nun auch gegen Minister Drozda

Immerhin sind im Mai auch Plagiatsvorwürfe gegen Minister Drozda, den Roščić-Förderer, bekannt geworden. Die Universität Linz prüfe demnach schon seit Monaten seine Diplomarbeit „Die Internationalisierung verstaatlichter und privater österreichischer Industrieunternehmungen: unterschiedliche Motivationen und Fähigkeiten" aus dem Jahr 1989. Ob dieses Ergebnis noch vor der Wahl veröffentlicht werden wird?

Man darf gespannt sein, wie die Prüfungsergebnisse ausfallen und ob eine mögliche Aberkennung der akademischen Grade für einen Rücktritt beider reichen wird. Die Wiener Staatsopernbesucher würden aufatmen!

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