Der Bürger ermöglicht den Wandel: Zuerst Brexit, jetzt Trump, dann Hofer?

Der Brexit, dann Donald Trump als US-Präsident und bald Norbert Hofer als österreichsicher Präsident: der Bürger verlangt nach wahrer Veränderung. Foto: Süd-Tiroler Freiheit / Homepage
Der Brexit, dann Donald Trump als US-Präsident und bald Norbert Hofer als österreichsicher Präsident: der Bürger verlangt nach wahrer Veränderung.
Foto: Süd-Tiroler Freiheit / Homepage
15. November 2016 - 16:00

Die Briten verlassen die EU, Trump wird amerikanischer Präsident und ein FPÖ-Kandidat gewinnt knapp 50 Prozent der Stimmen bei der Bundespräsidentenwahl – eine solche Prognose hätte vor einem Jahr nur Kopfschütteln ausgelöst.

Gastkommentar von Wolfgang Dvorak-Stocker

Schon allein, daß Donald Trump es schaffen könnte, Präsidentschaftskanditat der Republikaner zu werden, galt als höchst unwahrscheinlich. Und doch ist all dies eingetreten. Das immer schrillere „nur weiter wie bisher“ Rufen der Etablierten, die immer hysterischere Verleumdung ihrer Gegner als „Faschisten“ und gesinnungslose politische Glücksritter hat jeweils eine knappe Hälfte der Bevölkerung nicht mehr überzeugen können.

Bevölkerung hat genug vom Establishment

Es waren zwei Faktoren, die die Abstimmungen in GB und den USA entschieden haben: Einerseits der wirtschaftliche Niedergang, andererseits das steigende Gefühl, fremd im eigenen Land zu werden. In Wahrheit hat schon eine überwältigende Mehrheit das Vertrauen in die Politik der Etablierten verloren, viele Wähler haben nur aus Angst für sie gestimmt. Mit der Entwicklung ihres Landes in den letzten Jahren oder mit der EU von heute sind die wenigsten Engländer einverstanden. Nur die Angst vor den unbekannten Auswirkungen eines Brexit hat fast die Hälfte von ihnen noch im Lager der Blockparteien gehalten.

Hoffnungen in Trump groß

Auch in den USA haben viele nicht für Hillary sondern nur gegen Trump stimmen wollen. Es war Angst, nicht Überzeugung, die Clinton so viele Wähler brachte. Wenn es Trump jetzt gelingt, bei den beiden entscheidenden Problemfeldern auch für die einfachen Menschen spürbare Verbesserungen zu erreichen, wird der Umbruch in der amerikanischen politischen Landschaft keinen Stein auf dem anderen lassen. Wenn er versagt, wird der Rollback des Establishments unaufhaltsam sein.

Das Ende einer weiß und christlich geprägten USA ist dann gekommen. Das ergibt sich schon allein aus der demographischen Entwicklung. Bei dieser Wahl hat ein Donald Trump noch trotz der Kampagne der meisten Medien gegen ihn gewinnen können, weil 60 Prozent aller Weißen für ihn gestimmt haben, 60 Prozent aller Protestanten und immerhin noch 52% aller Katholiken (trotz der vielen katholischen Hispanics).

Der weiße Amerikaner könnte bald Geschichte sein

Clinton hat hingegen rund 70 Prozent aller Stimmen von Juden und Atheisten gewinnen können und ca. 60 Prozent von Moslems und anderen Religionsangehörigen. Bedenkt man, daß 24 Prozent aller weißen US-Amerikaner religionslos sind, läßt sich leicht ausrechnen, daß Trump bei den christlichen Weißen eine satte Zweidrittelmehrheit gehabt haben muß. Ihre Marginalisierung hat das Establishment seit Jahren gezielt betrieben. Kommt es zum Rollback, wird diese Entwicklung unaufhaltsam sein und der Zerfall der USA in mehrere ethnisch dominierte Teilstaaten mittelfristig wahrscheinlich. Erste Ansätze dazu gibt es schon in den hispanisch geprägten Bundesstaaten im Süden.

Globalisierungskritik wird salonfähig

Weltpolitisch besonders interessant ist, daß nach fast einem Jahrhundert erstmals wieder ein US-Präsident globalisierungskritisch ausgerichtet ist. Das Mantra des bisherigen Establishments, wonach nur noch mehr unbeschränkter Freihandel (und damit verbunden steigende Macht der internationalen Konzerne) unsere ökonomischen Probleme lösen kann, wird immer weniger geglaubt.

Wissenschaftler haben gezeigt, daß die Globalisierung in ihrer gegenwärtigen Form nicht nur sozial und ökologisch, sondern auch wirtschaftlich mehr Probleme erzeugt als löst. Trump müßte also zumindest in dieser Hinsicht ein Held der Grünen sein. Daß er es nicht ist, zeigt, welchen Interessen diese Partei heute wirklich dient. Auch Van der Bellen hat sich mit seiner Unterstützung des TTIP als Vertreter der gestrigen Mächte gezeigt. Die Hälfte der Wählerstimmen hat dieser Kandidat nur dank der medial geschürten Angst vor der FPÖ erringen können –und weil es Österreich bis jetzt wirtschaftlich immer noch verhältnismäßig gut geht.

Trumps Sieg als Auftrieb für Hofer

Doch unsere Politiker haben hart dafür gearbeitet, daß sich dies ändert. Jahrzehntelange Budgetdefizite, die Kosten der Massenzuwanderung und die Haftung für die Staatsschulden anderer werden mit Sicherheit mindestens einen großen Teil des errungenen Wohlstand zerstören. Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat seine Genossen schon davor gewarnt, was passieren wird, wenn steigende Arbeitslosigkeit das schon jetzt erschütterte politische System weiter delegitimiert, ist aber auf taube Ohren gestoßen. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit.

Norbert Hofer hat hingegen mit seiner Ablehnung des TTIP dem Willen der überwältigenden Mehrheit entsprochen. Und nicht nur autochthone, auch immer mehr Neo-Österreicher etwa aus Serbien oder Rumänien, erkennen, daß es die FPÖ ist, die ihre Interessen wirklich vertritt. Die Initiative „Christen für Norbert Hofer“ und seine Unterstützung durch den habsburgischen St. Georgs Orden zeigt neue Allianzen, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären. Auch in der österreichischen Innenpolitik wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

Der Wahlsieg Trumps hat jedenfalls einen Erfolg Hofers am 4. Dezember sehr viel wahrscheinlicher gemacht. Immer mehr Menschen erkennen, daß das System nicht „alternativlos“ und ein Umbruch möglich ist: Yes, we can! Donald Trump hat Norbert Hofer jedenfalls schon nach Amerika eingeladen.

Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker ist Geschäftsführer des Leopold-Stocker Verlages und Herausgeber der Zeitschrift "Neue Ordnung"


Wollen Sie täglich per Mail über die neuesten Artikel informiert werden? Hier können Sie sich anmelden.
Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
Loading...
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.