Netzwerke der Islamisten in Wien: Das Dialogforum Islam

20. Oktober 2013 - 9:30

Staatssekretär Sebastian Kurz will Integration durch Leistung forcieren. Seine Partner in den einzelnen Communities erwecken einen anderen Eindruck. „Integration durch Islamismus“ wäre vielleicht das treffendere Motto. So war Fuat Sanac zumindest in Jugendjahren Funktionär der extremistischen und türkisch-nationalistischen Milli Görüs.

Kurz gratulierte dem damals frischgewählten Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Fuat Sanac, besonders herzlich: „Ich habe Fuat Sanac persönlich als umsichtigen und vorausschauenden Mann kennen gelernt, der engagiert seine Glaubensgemeinschaft vertritt. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.“ Über bedenkliche Bereiche in Sanac' politischer Biographie scheint die Zukunftshoffnung der ÖVP wenig informiert zu sein. Im Dialogforum Islam kommt der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und ihrem Präsidenten eine tragende Rolle zu. Die FPÖ-Nationalratsabgeordnete Susanne Winter weist in einer parlamentarischen Afrage ausdrücklich auf bedenkliche Verbindungen der Organisation hin. Fuat Sanac war Jugendfunktionär der als nationalistisch und islamistisch geltenden türkischen Bewegung Milli Görüs. Ein Kapitel seines Lebens, das er nicht bereut. Im Gegenteil, Sanac scheint heute noch stolz auf sein Engagement in dieser extremistischen Vereinigung zu sein. Etwas großspurig erklärte er: „Und wer hat die Demokratie in die Türkei gebracht? Das Militär? Nein, es war Milli Görüs.“

Gegen Zionisten und Freimaurer

Der Gründer von Milli Görüs war der strenggläubige türkische Premier Necmettin Erbakan. Dessen Amtszeit wurde vom als laizistisch ausgerichteten Militär beendet, das sich in der Tradition Kemal Atatürk sieht. Etwas kritischere Worte als der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich fand auch das hessische Landesamt für Verfassungsschutz:

Erbakan bezeichnet den Westen wiederholt als falsche und wertlose, auf Stärke und Unterdrückung basierende Zivilisation. Als Feinde des Islam brandmarkt er Juden, Christen und Freimaurer. Seine Ideologie verbindet islamistisches Gedankengut mit türkisch-nationalistischen Elementen.

Auch mit antisemitischer Hetze wir seitens der fragwürdigen Bewegung nicht gespart. Die Stadtverwaltung Hamburgs gab unter Berufung auf mediale Berichterstattung folgendes bekannt:

Unter türkischen Islamisten der Milli-Görüs-Bewegung in Deutschland kursiert ein antisemitisches Hetzvideo mit dem Titel Zehras blaue Augen, in dem dargestellt wird, wie Juden aus rassistischen Motiven palästinensische Kinder als menschliche Ersatzteillager missbrauchen und umbringen. Die mehrteilige, aus Iran stammende Fernsehserie wurde im Sommer 2005 und Frühjahr 2006 von dem Milli Görüs nahestehenden Satellitensender TV 5 auch in Deutschland ausgestrahlt.

Im Juli 2007 wurde ein Interview mit Necmettin Erbakan ausgestrahlt, in dem er kräftig nachlegte. Zionisten seien „Bakterien“, verlieh er seiner Hetze weitere scheinbare Argumente. Im Wahlkampf propagierte er die These, wonach Marktwirtschaft und Protestantismus Erscheinungen jüdischen Wirkens wären, und folgte der Verschwörungstheorie der „jüdischen Weltherrschaft“: „Tatsache ist, dass in den (letzten) 300 Jahren all diese (200 Nationen) von einem Zentrum kontrolliert wurden. Dieses Zentrum ist der rassistische, imperialistische Zionismus.“

Dies erinnert an die Tiraden längst vergangen geglaubter Zeiten. Dass Fuat Sanac als Präsident des IGGiÖ fungiert, scheint in diesem Kontext skandalös. Weshalb Sebastian Kurz mit früheren Funktionären extremistischer Bewegungen in Dialog tritt und sich auf „gute Zusammenarbeit“ freut, bleibt vorerst ein Rätsel. Die Initiative Liberaler Muslime Österreich fordert bereits den Rücktritt von Omar al-Rawi und Fuat Sanac.

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