Das Kaffeehaus – in Wien kein gewöhnliches Lokal, sondern legendäre Institution

Das Wiener Kaffeehaus. Eine weltberühmte Kulturtradition, die sich gehalten hat (hier: Cafe Griensteidl 1896). Foto: Stadtchronik Wien, Verlag Christian Brandstädter p. 360 / Wikimedia, gemeinfrei
Das Wiener Kaffeehaus. Eine weltberühmte Kulturtradition, die sich gehalten hat (hier: Cafe Griensteidl 1896).
Foto: Stadtchronik Wien, Verlag Christian Brandstädter p. 360 / Wikimedia, gemeinfrei
10. September 2017 - 11:30

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Das Wiener Kaffeehaus ist kein banaler Gastronomiebetrieb, in dem man schnell seinen Kaffee trinkt und gleich wieder geht, sondern ein Symbol traditioneller Wiener Lebensart. Nicht umsonst zählt die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Tradition seit 1685

Um die Anfänge des Wiener Kaffeehauses ranken sich Mythen und Legenden. Lange Zeit wurde der Offizier und Dolmetscher Georg Franz Kolschitzky als „Erfinder“ des Wiener Kaffehauses gehandelt. Der Legende nach soll er für seine Dienste nach der Türkenbelagerung 1683 unter anderem mit einigen Säcken Kaffebohnen belohnt worden sein, welche die Türken auf ihrer Flucht zurückgelassen hatten. In der Nähe des Stephansdoms soll er dann das erste Kaffeehaus in Wien eröffnet haben. Diese Legende erwies sich allerdings als historisch nicht haltbar.

Tatsächlich handelt es sich beim ersten Wiener Cafetier um den armenischen Geschäftsmann und Kurier Johannes Diodato. Am 17. Jänner 1685 erhielt dieser zum Dank für seine Kurierdienste auf 20 Jahre das Monopol, in der Stadt Kaffee als Getränk verkaufen zu dürfen. Das erste von ihm gegründete Wiener Kaffeehaus stand in der heutigen Rotenturmstraße 14. Aufgrund seiner Herkunft wusste Diodato über die Zubereitung der damals in unseren Breiten exotischen Kaffeebohnen wohl bescheid.

Von der einfachen Kaffeestube zum „verlängerten Wohnzimmer“

Lange Zeit war der Kaffehausbesuch allerdings nur Männern vorbehalten. Bis ungefähr zum Jahr 1840 war neben dem Küchenpersonal die Sitzkassierin die einzige Frau, die sich in einem Kaffeehaus aufhalten durfte. Seinen Kaffee bestellte man beim Kellner nicht wie heute üblich als „Mocca“ oder „Kleiner Brauner“, sondern mittels Farbpalette.

Für die Wiener Bevölkerung entwickelte sich das Kaffeehaus im Lauf der Zeit zum zweiten Wohnzimmer, in dem man sich bei einer Schale Kaffee stundenlang aufhalten kann, seinen Gedanken nachhängt, gemütlich Zeitung liest, mit Freunden und Bekannten plaudert oder Billard spielt. Ein Grundpfeiler Wiener Lebensart, der sich bis heute erhalten hat.

Künstlertreff Kaffeehaus

Eng verbunden mit dem Wiener Kaffeehaus sind und waren die Kunst- und Kulturschaffenden der Stadt. Legendär sind die Literatencafes wie das Café Griensteidl oder das Café Museum, in denen um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Literaten und Künstler wie Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Peter Altenberg, Gustav Klimt oder Egon Schiele zu den Stammgästen zählten.

Zur weit über die Grenzen bekannten Institution wurde das nach seinem Gründer und Betreiber, Leopold Hawelka, benannte Café Hawelka, das bis heute in seinem Originalzustand erhalten ist. Die Innendekoration soll von Adolf Loos stammen. Auch das Hawelka galt im 20. Jahrhundert als Künstlertreff. Besonders in den 1960er und 1970er - Jahren diente das Hawelka der Wiener Künstlerszene als Stammlokal. Zu den Gästen zählten unter anderen Helmut Qualtinger, HC Artmann und Oscar Werner. Berühmt waren die von der Gattin Hawelkas hausgemachten Buchteln. Josef Hawelka verstarb 2011 im 101. Lebensjahr.

Das Konzertcafé

Eine Sonderform des Wiener Kaffeehauses ist das Konzertcafé. Das erste Konzertcafé wurde von Martin Diegand im Jahr 1788 eröffnet. In der Frühzeit kamen in derartigen Cafés etwa Musikstücke von Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven, auch im Beisein der Künstler, zur Aufführung. Mozart soll im Kaffeehaus auch so manche Partie Billard gespielt haben.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Musikdarbietungen im Casino Dommayer berühmt, wo Josef Lanner, Johann Strauss Vater und der Walzerkönig Johann Strauss Sohn Konzerte gaben. Das Publikum stürmte die Veranstaltungen geradezu. Bis heute hat sich die Tradition der Konzertcafés erhalten.

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